Warum laufen?





Mit 21 Jahren hatte ich einen ersten persönlichen Tiefpunkt in meinem Leben erreicht. Eine seelische Talfahrt, die ich allein nicht mehr aufhalten konnte. Ohne professionelle Hilfe hätte ich diese Zeit nicht überstanden. Als junger Mensch bereits auf fremde Hilfe angewiesen zu sein, war für mich eine überaus prägende Erfahrung! Damals habe ich mir geschworen, mich eines Tages dafür zu revanchieren und die Unterstützung, die ich erhalten habe, an andere Menschen weiterzugeben.

Es liegt also nahe, mein Versprechen von damals mit meiner Leidenschaft von heute zu verbinden und in Form eines Spendenprojektes einzulösen.

Laufen bedeutet für mich mehr als nur einen Fuß vor den anderen zu setzen. 2007 hatte ich mir zum Ziel gesetzt, durch Laufen meinen Bewegungsmangel auszugleichen, Stress abzubauen und ein wenig abzunehmen. Ich wollte etwas für meine Gesundheit tun. Mit Asthma, 20 kg überflüssigem Speck auf den Rippen, Rückenschmerzen, noch weniger Kondition, aber dafür mit einem riesigen inneren Schweinehund an meiner Seite lief ich los.

Die anfänglichen Laufumfänge waren mehr als bescheiden. Sie beschränkten sich auf wenige hundert Meter, dann war Schluss! Pause und immer wieder Pause. Nach einigen Monaten der Schinderei war ich konditionell zumindest schon mal in der Lage, zwei Kilometer durchzulaufen. Rückenschmerzen hatte ich immer noch. Zu diesem Zeitpunkt ging meine Motivation gegen Null und mir war völlig schleierhaft, wie jemand es schaffen konnte, ganze 10 Kilometer an einem Stück zu laufen. Obwohl ich körperlich kaum Fortschritte machte, bin ich immer wieder losgelaufen. Warum? Ich bemerkte sehr schnell, dass das Laufen meiner Seele gut tat. Draußen in der Natur fühle ich mich sicher und frei von allen Zwängen und Ängsten. Erst durch das Laufen habe ich eine Möglichkeit gefunden, zu mir selbst zu finden und die Kraft zu schöpfen, die ich im Alltag brauche, um mein Leben in der Balance halten zu können. Laufen ist nach und nach für mich zur Lebenseinstellung geworden.

Inzwischen habe ich mich zum Langstreckenläufer entwickelt und laufe, wann immer sich mir die Gelegenheit dazu bietet, bei jedem Wetter und zu jeder Uhr- und Jahreszeit.


Unbekannte Helden
Als ich damit begann, meine Idee vom Laufen für die gute Sache in die Tat umzusetzen, stieß ich bei den Recherchen über Spendenläufe auf interessante, mir bis dato völlig unbekannte Menschen. Sie hatten zwar alle ganz unterschiedliche Motive für ihre Spendenläufe, waren jedoch dadurch verbunden, dass sie mit viel Mut und Engagement für ihr persönliches Anliegen an den Start gingen.

Terry Fox, ein junger Kanadier, war der bemerkenswerteste Spendenläufer von allen. Von ihm und seiner bewegenden Lebensgeschichte möchte ich kurz erzählen.

Terrance Stanley Fox (1958-1981), erkrankte mit 17 Jahren an Knochenkrebs, woraufhin ihm sein rechtes Bein amputiert wurde. Trotz seines Handicaps und der schweren Erkrankung initiierte Terry seinen „Marathon of hope“ (Marathon der Hoffnung) und vollbrachte damit eine unglaubliche Leistung. Terry Fox lief mit einer Beinprothese zu Gunsten der Krebsforschung 143 Marathons (à 42,2 km) an 143 aufeinanderfolgenden Tagen. Sein Ziel, Kanada von Ost nach West zu durchlaufen und dafür von jedem Kanadier eine Spende von 1 $ zu sammeln, musste er nach 5.373 gelaufenen km etwa nach der Hälfte der Strecke auf Grund der Schwere seiner Krankheit aufgeben. Terry Fox starb wenig später im Juni 1981 im Alter von nur 22 Jahren an Lungenkrebs. Bis heute wurden in Terry Fox´ Namen weltweit mehr als 600 Mio. $ zu Gunsten der Krebsforschung gespendet 

Quelle: www.terryfox.org

Die Entschlossenheit, der Wille und vor allem der Mut von Terry Fox, sich in seinem nahezu aussichtslosen Kampf trotz aller widrigen Umstände für andere Menschen stark zu machen, hat mich zutiefst berührt und motiviert. Sportlich wie menschlich ist Terry Fox einzigartig und für mich zum Vorbild geworden.