Mittwoch, 4. Oktober 2017

7. WesterwaldSteig Halbmarathon am Wiesensee

3. Oktober 2017 - Muddy Trails and Howling Wolf

Das verflixte 7. Jahr... heute war nix mit Sonnenschein Garantie. Dort wo uns all die Jahre die morgendliche Oktobersonne einen wunderbaren Start in die Laufsaison beschert hat, herrschte heute eine Stimmung wie in der Werbung für einen bekannten Erkältungssaft.

Bekanntlich kann man jede Medaille von zwei Seiten betrachten. Regen vor dem Start ist ätzend und nervig aber dafür stimmt die Temperatur die meinem pelzigen Freund "Howling Wolf Nanuk" das Laufen angenehm macht. Ganz zu schweigen von den zahllosen Pfützen die er auf seinem Weg euphorisch durchpflügt, ganz so als ob es die letzte Gelegenheit sei, richtig Spaß zu haben.

In der Tat kommt auch mir der Gedanke, aus dem Lauf trotz des Regens einen Besonderen werden zu lassen. Die Zeichen stehen somit gut eine neue persönliche Bestzeit zu laufen. Ihr wisst, normalerweise lege ich keinen gesteigerten Wert auf solche Eitelkeiten aber .... naja ab und an juckt es doch ganz gewaltig in den Füßen und ich will wissen wie es um meine "Form" bestellt ist.

Der Plan sieht wie folgt aus: Nanuks Gewohnheitsrecht auf unterwegs 4 mal baden und abkühlen beschränken wir in Anbetracht der günstigen Witterung auf 1 mal, die Versorgungsstationen lassen wir komplett aus, bin ja autark und habe ausreichend Wasser und eine Portion Studentenfutter in meinem Salomon "Herrentäschchen" am Mann, Fotos von der Strecke gibt es heute keine, dazu verlinke ich den Laufbericht zu denen der Vorjahre. Klingt gu, so machen wir´s.


Hatte ich schon erwähnt, dass es regnet? Genau das ist der Haken an der Sache, nein falsch. Nicht der Regen, die Wahl meiner Schuhe ist der mega Haken ... "pain in the ass" um ganz genau zu sein... ja die Beschreibung kommt dem Erlebnis am heutigen Tage sehr nahe.


Mit den Luna Sandals bin ich schon unzählige Kilometer gelaufen, auch in technisch anspruchsvollem Gelände. Bei Nässe gewähre ich ihnen sogar Vorrang vor meinen geliebten FiveFingers. Die Lunas haben den unschlagbaren Vorteil, sehr viel schneller abzutrocknen als alle anderen Minimalschuhe meiner Sammlung. Darüber hinaus zeichnen sie sich durch einen exzellenten Grip aus und die Tatsache, dass sich der Fuß förmlich an der nassen Innensohle der Lunas festsaugt. "So what" was ist also mein Problem? Schlamm! Schlamm und zwar Berge von Schlamm. Wenn ich all die gelaufenen Luna Kilometer rekapituliere war da nie Schlamm, nur nasse Wiesen, Bäche, nasser Asphalt, Schotter, Sand aber nie Schlamm.
    

Nach dem Startschuss kommen Nanuk und ich zügig auf Betriebstemperatur. Beim ersten Blick auf meine Suunto Ambit haben wir bereits 6 Kilometer in 35 Minuten unter den Sohlen. Viel nasse Wiese, Asphalt und Schotter, alles bestens aber das Thema hatten wir ja bereits. Oho was ist das denn? Kennst du das Gefühl der Schrecksekunde, wenn du mit nackten Füßen auf nassen Fließen ausrutschst und dich gerade noch so halbwegs elegant abfangen kanst? So in etwa hat sich das gerade angefühlt, als ich verusche in der schlammigen Treckerspur zu laufen. Das blöde daran ist, die Treckerspur scheint gar kein Ende zu nehmen.

Nach dem ersten dutzend unfreiwilliger Freestyle Dance Moves ist klar, das mit der heutigen Bestzeit kann ich knicken. Durch das ganze hin- und hergerutsche in den Lunas lockern sich die an und für sich festen Riemen extrem, was das Rekord Vorhaben gänzlich abstrus erscheinen lässt. Trotz radikal reduziertem Lauftempo wird selbst mir die ganze Chose irgendwann zu waghalsig und ich beschließe die Lunas in meinem Salomon S-Lab Advanced Skin Hydro 12 Set, so heißt mein Herrentäschchen nämlich wirklich, zu verfrachten. Gut, dass ich stets ausreichend viele Kackbeutel für Nanuk dabei habe und so muss ich die Schlamm überzogenen Latschen nicht unverpackt verstauen.


Es sind noch 5 Kilometer bis zum Ziel, die es nun tutti completti barfuß zu laufen gilt. Ich betrachte es als eine gute Übung und beuge mich meinem Schicksal. Eine Wohltat nach dem bisherigen schmier-Trail-schlidderr-Lauf aber auch wieder eine neue Herausforderung. Barfuß laufen und gehen ist für mich nichts Neues aber in der Kombination mit Nanuk schon. Barfuß mit ihm zu laufen habe ich bislang immer bewusst vermieden, da es erfahrungsgemäß oft erforderlich wird, Nanuks Übereifer sprichwörtlich zu bremsen, bsw. bei Wildkontakt. Scharfes bremsen auf steinigem Untergrund ist ohne Sohlen unter den Füßen doch recht unlustig. Aber Nanuk erweist sich heute als der perfekte Begleiter und absoluter Teamplayer. Er läuft wie auf Schienen, befolgt ausnahmslos alle Kommandos und widersteht unbeeindruckt allen Versuchungen an den von uns tangierten Wildwechseln. Danke dir mein Freund.



Unsere Zielzeit ist, wie sollte es auch anders sein, unterirdisch. Als wir über den Damm in Richtung Parkplatz laufen kommt Oli uns mit prüfendem Blick entgegen. Man hat sich wohl bereits Sorgen gemacht und einen Suchtrupp zusammengestellt. Wir kommen also gerade noch rechtzeitig an, um uns ein paar Stücke vom hervorragenden Kuchenbuffet zu sichern. Nanuk bekommt von Nina zwar keinen Kuchen aber dafür eine ganze Menge Leckerchen verabreicht die er im Null-Komma-Nix inhaliert. Ich sag mal: das haben wir uns beide verdient.

Wir sehen uns am 3. Oktober 2018 wenn es wieder heißt: neuer Lauf, neue Chance auf Bestzeit.

Bericht vom 3. Lauf 2013 
Bericht vom 4. Lauf 2014
Bericht vom 5. Lauf 2015 
Bericht vom 6. Lauf 2016