Dienstag, 20. Februar 2018

Wintertour rund um den Knoten

11. Februar 2018: Auf den Spuren von Adolf Weiss

Lange schon will ich mir das Denkmal des Westerwälder Heimatdichters Adolf Weiss anschauen. Er war der Schöpfer des Westerwaldgrußes "Hui Wäller - allemol"! Die winterlichen Bedingungen im Skigebiet rund um den Knoten versprechen das Vorhaben doppelt attraktiv und anstrengend werden zu lassen.


Wir parken in dem kleinen Örtchen Driedorf-Münchhausen in direkter Nähe zum Track. Die Gemeinde Driedorf liegt in der Region Hessischer Westerwald, östlich angrenzend an den Hohen Westerwald. Da wir keinen öffentlichen Parkplatz finden können fragen wir höflich einen Anwohner des Bastiansweg und parken vor dessen Haus.

Wir starten die Runde bei tief hängenden Wolken gegen den Uhrzeigersinn und müssen nur einmal schnell über die K87 um gleich wieder in nördliche Richtung auf einen Feldweg abzubiegen. Nach knapp 2 Kilometern erreichen wir den Stausee Driedorf unweit von Mademühlen, dem Heimatort von Adolf Weiss.     

Nach 7,7 km queren wir die K47 zwischen Oberrod und dem Ferienhausgebiet an der Krombachtalsperre. Hier befindet sich ein Wanderparkplatz nur wenige hundert Meter von der Skipiste entfernt.



Auf der gesamten Strecke laufen wir durch etwa 15 cm hohen Neuschnee. Das ist echt harte Arbeit, denn mit dem lockeren Schlender-Schlurfschritt lassen sich hier keine Meter machen. Da zahlt sich das häufige Kniehub-Anfers-Spielchen beim Lauf ABC aus.



Nach 11 Kilometern stehen wir am Gipfelkreuz des 605 m hohen Knoten, einem der höchsten Berge im Hessischen Westerwald. Doch das große Ziel der heutigen Tour ist das Denkmal von dem ich eingangs gesprochen habe. Es liegt nur etwa 800 Meter weit entfernt auf unserem Track.





Adolf Weiss (1861-1938) war Bauer und Dichter aus Mademühlen. Außerdem war er Mitglied im Westerwald-Verein. Im Jahr 1913 schrieb die Ortsgruppe Bonn des Westerwald-Vereins einen Wettbewerb aus mit dem Ziel einen Erkennungsruf für den Westerwaldwanderer zu schaffen. Der Sieger sollte 12 Flaschen Wein erhalten.

Aus den mehr als 60 Einsendungen wurde der Vers von Adolf Weiss ausgewählt.


„Das Schicksal bestimmte mich nicht zum Prasser. Ich mußte bis jetzt mich begnügen mit Wasser. Doch würd ich gern einmal trinken Wein, und sollt's auch nur „edler Mosel" sein. Dacht gleich ich: „Was gilt's? Du riskierst den Spaß! Hui! Wäller?" - Allemol!", so tönt der Ruf, den in meiner Sehnsucht nach Wein ich schuf.

Das „Hui" das hat mich der Sturmwind gelehrt,
wenn wild über unsere Heide er fährt.
Und Wäller wir ja allemol sind,
wir trotzen dem Regen, dem Schnee und dem Wind.

Drum mögt' ich zum Schluß ganz bescheiden hoffen, daß ich mit dem Ruf ins Schwarze getroffen. Doch sollte mein Werben vergebens sein, wie wär's dann mit einer Flasche Wein?"


Quelle: https://www.mengerskirchen.de/freizeit-tourismus-und-kultur/sehenswuerdigkeiten-mengerskirchen/denkmal/593-adolf-weiss-denkmal.html



Die verbleibenden Kilometer bis ins Ziel wollen wir ganz gemütlich, die klare Luft und den winterlichen Sonnenschein genießend zurücklegen. An einer Fichtenschonung angekommen, weist uns der Track meiner Uhr an, nach links direkt zwischen den, wie Zinnsoldaten unnatürlich dastehenden Bäumchen, hindurch abzubiegen. Nach wenigen Metern sehe ich linker Hand einen großen braunen Knubbel direkt am Ende des Weges am Waldrand stehen. Trotz Brille bin ich auf die Entfernung so gut wie blind und muss raten, um welch Art von Knubbel es sich wohl handeln mag. "Ein Pferd, ach nein, er bewegt sich nicht...." rufe ich Oli zu. "Doch er bewegt sich...hmmm".

"Scheiße....das ist ja ein Galloway Rind aber ohne den normalerweise dazugehörigen Zaun". Und es ist nicht nur eins, auf der rechten Seite des Weges, gut getarnt steht einen ganze Gruppe mit kleinen Kälbchen - also eine freilebende Herde oder Gruppe. Wie auch immer, ich bin mir sicher, dass mein vorlauter Freund Nanuk die braunen Knubbel anbellen wird. Er hat vor denen genau so viel Schiss wie ich. Ach was, ich habe keinen Schiss. Ich nenne es Respekt und halte meine Klappe. Kollege Flauschohr macht hingegen auf dicke Hose. Also Planänderung: Oli wir schlagen uns nach link ins Unterholz und laufen eine großen Bogen. Ebenfalls am Waldrand angekommen stehen wir nun etwa 200 Meter von der Gruppe entfernt auf der gleichen Weide wie die Knubbel. Sollen wir es wagen? Auf geht´s wir laufen los und behalten die Herrschaften immer im Auge.

Das ist deutscher Forst, kein Wald!  

Da vor dem Wald die kleinen braunen Knubbel. Das sind die Galloways!

Keine Ahnung ob unsere Vorsicht von Nöten ist aber ich weiß das Muttertiere äußerst mutig sind wenn, sie den Schutz ihrer Sprösslinge gefährdet sehen. So mancher Löwe hat bei seinem Vorhaben "...och da schnapp ich mir doch mal so´n Kälbchen.... " bereits den Kürzeren gezogen.      

Nach einer herrlichen Wintertour rund um den Knoten trudeln wir etwas schlapp vom Füße hochheben nach gut 2,5 Stunden und 335 positiven Höhenmetern am Auto ein. 

Für alle die sich auf den Weg machen wollen das Cowboy Feeling ebenfalls zu erleben, hier der Track zum Nachlaufen.