Donnerstag, 28. Dezember 2017

Mein Antrag auf Opferentschädigung nach OEG- Update #3

27.12.2017: Antrag wurde - wie erwartet - abgelehnt. Wie geht es weiter?

Als ich die vor ein paar Tagen den Brief vom Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung in Trier in den Händen hielt war ich nicht sonderlich gespannt auf das, was dort geschrieben steht. Mein Antrag auf Entschädigung für Opfer von Gewalttaten (OEG) wurde

".....abgelehnt."

Ich habe damit gerechnet und war von daher auch nicht wirklich enttäuscht über den Ablehnungsbescheid. Die Vorgehensweise der Behörde entspricht genau der, die mir ua. von anderen Betroffenen, Therapeuten und Mitarbeitern von Opferhilfs bzw. -schutzorganisationen vorhergesagt wurde.
  

Verägert bin ich allerdings über den Inhalt der Begründung sowie die bis hierher an den Tag gelegte Art und Weise der Bearbeitung. Aber zunächst zur Begründung der Ablehnung.

Ich habe in meinem Antrag geschildert, dass ich kurz nach den ersten Übergriffen des Täters wegen Übelkeit, Bauchschmerzen etc. für wenige Tage stationär in einem Krankenhaus war und das die Symptoome sehr schnell nach der Aufnahme dort wieder verschwanden. Rückblickend betrachtet werte ich dies als erste psychosomatische Beschwerden auf Grund der vorangegangenen Missbrauchshandlungen.

Ich behaupte, dass ein Sachbearbeiter/Verwaltungsfachangestellter, der Anträge nach OEG bearbeitet weiß, dass medizinische Unterlagen nach 30 Jahren vernichtet werden. Aber exakt dieser Umstand, dass Unterlagen aus der Zeit vor über 30 Jahren meinerseits nicht mehr beigebracht werden können, wird als eines der beiden Argumente in der Begründung für die Ablehnung herangezogen.

Weiterhin haber ich in meinem Antrag angegeben, dass ich mich während der Missbrauchsjahre und auch lange Zeit danach aus bestimmten Gründen, die ich im Antrag ebenafalls ausführlich dargelegt habe, niemandem anvertrauen konnte. Insbesondere nicht meiner Mutter die bereits 2015 verstarb. Und auch exakt dieser Umstand, dass meine Mutter nun als wichtige Zeugnin leider nicht mehr verfügbar ist, hat zu Abhehnung meines Antrags geführt. Eine "wichtige Zeugin" so wortwörtlich, die ohnehin nur hätte aussagen können, dass sie nichts gewusst hat. Ich bin verblüfft!

Abschließend heißt es:


Alle weiteren von mir vorgelegten Dokumente wie etwa mein Strafantrag aus den 1990er Jahren und die Antwort der Staatsanwaltschaft mit dem Hinweis auf Verjährung fanden keinerlei Beachtung. Ebenso wenig die Bescheinigungen meiner Ärzte und Therapeuten zur diagnostizierten komplexen PTBS sowie Art und Umfang der Therapieen.

Die Art und Wiese:
Vom Tag der Annahme meines Antrags bis zum Versand des Ablehungsbescheides hat die Behörde für die Berabeitung unglaubliche 19 Monate Zeit benötigt.

In einem vorangegangenen Schreiben vom April 2017 stellte ich fest, dass die Behörde vergeblich versucht einen Mann ausfindig zu machen, dessen Namen nicht mit dem Namen des von mir in meinem Antrag als Täter beschuldigten Mannes übereinstimmt. Ich habe die zuständige Sachbearbeiterin der Behörde damals über diesen Umstand informiert. Überaus erstaunt war ich darüber, dass der gleiche, falsche Name im Ablehnungsbescheid erneut auftaucht. Gut, möglicherweise hat der Mann, den ich als Täter beschuldige, seinen Namen geändert. Das wäre legitim und möglich aber ich halte dies für unwahrscheinlich und werde diesbezüglich nun weitere Nachforschungen anstellen.

Ich hätte es begrüßt, wenn man sich in den 19 Monaten Bearbeitungszeit zumindest so viel Mühe mit meinem Anliegen gegeben hätte, eigene Formulierungen in dem Ablehnugsbeschied zu verwenden. Stattdessen wurden mir meine eigenen Formulierungen 1:1 zurückgesandt. 

Alles in allem kann ich mich bislang dem Eindruck nicht erwehren, dass das OEG mehr eine politische Alibifunktion innehat als es Opfern von Gewalttaten tatsächlich helfen und entschädigen soll. Mein persönlicher Eindruck ist derzeit, dass die Order von oben gilt, Anträge von Menschen wie mir, die als Erwachsene behaupten, als Kind Opfer einer Gewlttat geworden zu sein, nach Möglichkeit und selbst mit augenscheinlich schwachen Argumenten, im ersten Schritt abzuwimmeln.

Meine persönliche Erfahrung deckt sich dahingehend zumindest mit denen anderer Betroffener die mir ähnliches berichtet haben. Selbstverständlich stellt meine Aussage keine wissenschaftliche und statistisch einwandfrei verifizierte Erhebung dar. Vom Gegenteil meines persönlichen Eindrucks lasse ich mich gerne überzeugen.   

Wie geht es weiter?
Ich habe über meine Anwältin bereits formell Widerspruch eingereicht. Im weiteren Verlauf werden wir die Akte einsehen und eine entsprechende Begründung nachreichen und danach wieder die Reaktion der Behörde abwarten. Die Anwaltskosten i.H.v. 740 € muss ich selbstverständlich erst einmal selbst tragen. Nur gut, dass ich Weihnachtsgeld bekommen habe.