Donnerstag, 8. Juni 2017

Lauf zum "Ende der Welt"

4. Juni 2017: Laufrevier Kroppacher Schweiz

Nach dem feucht-heißem Wetter der letzten Tage wollten wir die kleine Hitzepause für eine letzte gemeinsame Runde mit den Hunden nutzen, bevor die beiden tatsächlich in die Sommerpause gehen. Die Strecke sollte nicht zu lang sein, einen möglichst hohen Anteil schattiger Waldabschnitte und ausreichend Möglichkeiten zur Abkühlung an klaren Bächen bieten.


Das wir malerische Landschaften und traumhafte Aussichtspunkte erwarten versteht sich von selbst. Das alles und noch mehr bietet die Kroppacher Schweiz unter der Weltende-Pfad. Der Trail führt teilweise über, in den Fels gehauene Abschnitte die mit Stahlseilen gesichert sind. An manchen Stellen fällt das Gelände bis zu 50 Meter steil ab zur Großen Nister hin.


In den Weiten des Internets bin ich auf einen knapp 10 Kilometer langen GPS-Track gestoßen, der mit 170 zu bewältigenden Höhenmetern angegeben war. Da Carmen und noch ein paar Freunde aus meinem Wäller Lauftreff ihr Interesse an einem gemeinsamen Feiertagsausflug bekundet hatten schien mir dieser Track ideal zu sein. Zumal einige noch gar nicht so lange dabei sind und erst vor wenigen Monaten mit dem laufen begonnen haben. Gehphasen an den Anstiegen und Genusspausen an den Top Waypoints waren ohnehin vorgeshen, so dass ich keine Bedenken hatte.

Alpines Flair

Übermut und überschüssige Energie sind keine gute Kombination - auf Nanuk muss ich gut aufpassen.

Warum nennt Oli mich "Jörg der Grausame"

Yorkshire-Terrier Nico ist unermütlich.

Liane ist super fit.

Gelegenheiten zur Abkühlung bieten sich immer wieder.

Irgendwann leuchte ich da mal mit ner Lampe rein.

Traue keinem Track, den du nicht selbst gelaufen bist! So lautet das Fazit in Bezug auf die Angaben des Höhenprofils. Tatsächlich hat die Tour am Ende doppelt so viele Höhennmeter vorzuweisen wie ursprünglich angegeben. Gott sein Dank haben wir mit Carmen und Liane zwei richtig gute Läuefrinnen am Start die diese kleine Panne in der Vorbereitung als sportliche Herausforderung betrachten und mit vollem Einsatz dabei sind.

Start- und Zielpunkt ist der Parkplatz am Friedhof an der K16 (Verlängerung der Hauptstraße) in 57629 Stein-Wingert. Wir folgen den Schildern "Weltende Pfad" und verlassen den Parkplatz nach links in Richtung Stein-Wingert um sofort von der Straße nach rechts auf den Trail zu wechseln. Bereits nach wenigen Metern beginnt der für uns Trail Runner schönste Teil der Strecke. Ein technisch sehr anspruchsvoller Abschnitt auf einem schmalen Singletrail mit steilen Anstiegen und kleinen Kletterpassagen. Der Trail folgt dem mäandrierenden Verlauf der Großen Nister. Die Felsen sind zum Teil rutschig und man kommt nur noch gehend voran. Mit einem Hund im Zuggeschirr vorne weg steigern sich Reiz und Anspruch um 100 %. Da Nanuk auf Grund der sommerlichen Hitze jetzt seit einigen Wochen nicht mehr mit mir gelaufen ist, kann ich ihn in seiner Euphorie kaum stoppen. Zudem stellt er seine beiden flauschigen Pelz-Lauscher ganz nach Samojeden Art komplett auf Durchzug. Bevor es für uns beide zu gefährlich wird muss ich ihn leider mal so richtig anblöken und an die kurze Leine nehmen.

Der Naturpfad Weltende

Aufstieg zum Aussichtspnukt Weltende.

Hier geht es gut und gerne 50 Meter steil bergab.

Sehr wichtig in schwierigem Gelände, sichere Laufschuhe.

Den Aussichtspunkt Weltende erreichen wir übrigens nach 3 Kilometern. Dort treffen wir auf einen sehr netten Motorradfahrer den wir für ein Gruppenfoto anheuern können. Nach kurzer Pause laufen wir weiter in Richtung Flögert wo es streckentechnisch ein wenig hakelig wird. Der Track hat annähernd die Form einer 8 und der Kreuzungspunkt wird bei der Wurmnavigation auf den Minidisplays der GPS-Laufuhren nur schwer erkennbar dargestellt, die Linien liegen teilweise übereinander. Da hilft nur das Smartphone mit Wander App und topografischer Karte! Wer über dieses Equipment nicht verfügt, biegt bei der Ankunft in Flögert nicht nach rechts ab in Richtung Brücke über die Große Nister, sondern folgt der Dorfstraße "Im Tal" bis zum Ortsende und läuft dort nach links in nördliche Richtung weiter. Ab da ist die Wurmnavigation wieder eindeutig.

Die glorreichen 6

Wir sind von den kleinen Dörfchen mit den wunderschön restaurierten alten Fachwerkhäusern und den liebevoll gestalteten Naturgärten total begeistert. Auffällig ist, dass vor zahlreichen Häusern Autos mit auswärtigen Kennzeichen parken. Ich nehme an, dass diverse dieser schönen Immobilien als Ferienhäuser erworben wurden. Die meisten waren wahrscheinlich sanierungsbedürftig und konnten sehr günstig erworben werden. Ich persönlich freue mich immer sehr, wenn alte Bausubstanz und Fachwerkkunst erhalten bleibt, anstatt sie durch langweilige und seelenlose quadratisch praktische Instant Hütten zu ersetzen.


Ab Flögert laufen wir also die nördlich liegende Schlaufe der 8 und gelangen via Helmeroth und die Helmerother Mühle nach rund 3,5 Kilometern wieder zurück nach Flögert. Direkt vor der Helmerother Mühle überqueren wir die Große Nister über eine interessante Hängebrücke. Sie ist mit ihrer 36 Meter Spannweite die größte Stahl-Seilhängebrücke in Rheinland-Pfalz. Zurück in Flögert überqueren wir die Große Nister dann sofort ein zweites Mal und befinden uns bereits auf der Zielgeraden in Richtung Parkplatz Stein-Wingert wo eine große Kühkltasche mit leckerem Inhalt auf uns wartet.

Die länsgte Stahlseil Hängebrück in Rheinland-Pfalz unweit der Helmerother Mühle.





Obwohl die Strecke und auch die gesamte Region ausgesprochen reizvoll ist und jedes Wander- und Läuferherz höher schlagen lässt, sind uns nur eine Hand voll Leute begegnet. Als Eingeborener Wäller kann ich mich immer nur sehr gerne wiederholen und den Menschen einen Ausflug oder Urlaub im facettenreichen Westerwald empfehlen. Es gibt unglaublich viel zu entdecken. Neben einer vielfältigen intakten Natur und der Wäller Lebensart lässt sich auch Industrie- und Kulturgeschichte hautnah erleben.

Kein Lauf ohne Picknick!


Herzlich willkommen bei uns im Westerwald, hier ist dein Track zum selber Laufen und Wandern: