Mittwoch, 2. November 2016

Von Drachen, Felsen und hohen Bergen

30. Oktober 2016: Team Nanuk läuft den Drachenlauf in Königswinter  

Nanuk hat die Prinzessin besiegt und den Drachen gerettet! Das Debüt von Team Nanuk beim heutigen Drachenlauf in Königswinter war genauso genial wie das Wetter. Ein wahnsinnig schöner aber gleichermaßen anstrengender Lauf mit technisch anspruchsvollen Trail-Passagen. Vier mal haben die uns den Berg rauf gejagt. Am Ende hatten wir 26K und 1.000 HM auf der Uhr. Fazit: Klasse Leute, tolle Strecke, top Orga. Wir kommen wieder!

Blick vom Drachenfels über den Rhein

Nicht zum ersten mal zieht es Nanuk und mich ins nahe gelegene Siebengebirge aber den Drachenlauf kannten wir bislang nur vom Hörensagen. Vor ein paar Wochen kam Sandra auf mich zu und meinte ob ich nicht Lust hätte beim Drachenlauf zu starten. Das wäre ein echter Kracher, so richtig schön anstrengend. Mit Sandra hatte ich bereits beim WesterwaldSteig Endurance Trail, kurz WET gennant schon ein paar anstrenged schöne Touren erlebt, so dass ich wusste, wenn sie anstrenged sagt meint sie das auch so.

Als ich erfuhr, dass Matthias, Meli und Tobi auch mit von der Partie sind hatte ich richtig Spaß. Ist halt immer nett, bekannte Gesichter zu treffen um gemeinsam ein paar Kilometer durch die Gegend zu laufen.
Wir sind rechtzeitig vor Ort und absolvieren das übliche Startunterlagen-Prozedere dank der top Organisation super schnell. Also was tun? Nix, rumstehen halt, plaudern und den anderen Läufern zugucken was die so treiben. Jaaaaa dafür hat Nanuk aber so gar kein Verständnis. Nach nicht einmal 5 Minuten habe ich das Gefühl, dass uns alle anderen anstarren. Genau so, wie wenn man seinem Sprössling im Supermarkt das Ü-Ei oder whatever verwährt und dieser sich dann lauthals im Einkaufswagen windet, um seinen Unmut der Menschheit kund zu tun. Mann-o-Mann...Nanuk winselt herzzerreißend, heult, jault und bellt ohne Pause. Nicht einmal mit der schönen Yuma, der zierlichen Husky-Hündin von Olaf kann ich ihn ablenken. Entnervt halte ich Nanuk zwischendurch für ein paar Sekunden die Schnauze zu und bin heilfroh als der Startschuss endlich fällt. Ab dann, absolute Ruhe, keinen Mucks macht der Kerl mehr.      

Star-/Zielbereich

Sandra, Matthias, Jörg, Meli, Tobi, Nanuk v.l.n.r.

Grisu 1 + 2

Nicht einmal für´s Selfi hat Nanuk Zeit

Der Moderator macht einen guten Job und weißt nicht nur darauf hin, dass die satten Anstiege Kraft kosten, er warnt auch eindringlich davor, die Abstiege muskulär zu unterschätzen. Aus gutem Grund kann ich da nur sagen. Es ist zwar nur eine Gesasmtdistanz von 26K zu laufen aber die stehen einem Marathon in punkto Kraftausdauer in nichts nach.
Wenn ich dem Höhenmesser meiner Suunto glauben schenken darf, dann befindet sich der Start-/Zielbereich auf einer Höhe von 228 m.ü.NN. Vom Startpunkt aus geht es über 2,7K sofort ordentlich den Berg hoch bis auf 459 m.ü.NN. die auch gleich den höchsten Punkt der Strecke markieren. Auf den kommenden 3,6K geht´s dann wieder bis auf rund 210 m.ü.NN. runter. Dieses Spielchen machen wir dann noch zwei mal bis es dann zum finalen Showdown am Berg der Entscheidung kommt. Aber das beste daran ist der Name des Weges der den Anstieg vorgibt. Es ist der "Petersberger Bittweg"! Ein Läuferin hinter mir fragt ihren Laufpartner warum der wohl so heißen mag.....Watson ich kombiniere Bittweg = Kreuzweg = Schmerzen.... ich sag´s euch, der Name ist Programm. Wir haben das große Vergnügen von 68 m.ü.NN. auf gerade mal 2,2K Strecke satte 273 HM hoch zu kraxeln. 
 




Apropos bergauf laufen oder soll ich besser gehen sagen? Jetzt muss ich mal eine Lanze für alle Cani Crosser brechen, also für die Mensch-Hund-Laufteams die mit Beckengurt, Zuggeschirr und -leine laufen. Es mag ja in der Tat den Eindruck erwecken, dass wir uns von unseren Huden nur ziehen lassen weil wir zu faul zum Selberlaufen sind. Auch mag es den Anschein haben, dass wir dadurch einen rießigen Vorteil haben da der Hund berghoch die kraftzehrende Arbeit leistet. Ich weiß die meisten Zurufe sind spaßig gemeint aber manchmal habe ich das Gefühl, dass sich der eine oder andere Läufer tatsächlich benachteiligt sieht. Da kann ich echt jeden beruhigen. Was mich betrifft, ich bin ohne Hund deutlich schneller. Im Team mit einem Hund zu laufen erfordert definitiv mehr Konzentration und Kraft als ohne. Anders als bei kurzen Sprintrennen oder den Rennen bei denen die Hunde tatsächlich eine Last z.B. einen Schlitten ziehen sollen, kann man Mittel- und Langdistanzen als Laufteam nur in einem bestimmten Tempobereich absolvieren. Das wiederum muss für beide sowohl anatomisch als auch konditionell kompartibel sein. Der Hund muss traben, darf aber nicht in den Sprint übergehen und der Mensch hintendran muss sich entsprechend anpassen und vor allem mithalten können. Er muss den Überbick haben und seinen Partner von hinten mittels vormals tranierter Kommandos steuern. Vor allem bergab, wenn der Hund Gas gibt musst du die 25-30 ziehenden Kilogramm vor dir mit dem Becken stabilisieren und muslukär dauerhaft dagegen halten können.
Und berg hoch... mein Nanuk ist ein Samojede, der "Denker" unter den Hunden. Er wird einen Teufel tun und mich den Berg hoch ziehen ganz gleich welches Kommando ich ihm dazu gebe. Ungeachtet dessen, dass ein Hund über ein anderes Leistungspotential verfügt als ein Mensch, weiß Nanuk ganz genau, dass auch er auf langer Distanz mit seinen Kräften haushalten muss. Es sei denn....er eröffnet die Jagdsaison. Insbesondere im Frühjahr wenn ordentlich "Puls" im Wildbestand herrscht, reicht ein "Kaninchenfurz" den Nanuk von irgendwoher in die Nase bekommt aus, ihn zur unaufhaltsamen Zugmaschien mutieren zu lassen. Das zweifelhafte Vergnügen Nanuks Jagdmodus vollumfänglich ausschöpfen zu dürfen, hatte ich 2015 beim "Pfälzer-Bergland-Trail". Nach den ersten 52K und 2.200 HM lief ich auf dem Zahnfleisch und war am Ende meiner Kraft.   
Wenn man mal vom euphorischen Start absieht, ist Nanuk darauf trainiert nur so stark zu ziehen, dass er die Zugleine die uns verbindet gerade soweit auf Spannung hält, dass diese nicht durchhängt. Dies dient der Sicherheit von Mensch und Hund. Das Durchhängen der Leine ist mir gerade zu Beginn meiner Cani Crosser "Karriere" ein paar mal passiert. Das sieht dann so aus: Leine hängt durch, Mensch tritt drauf, Hund steht abrupt und sofort 50 cm vor dir, wenn du nicht über ihn fallen und einen Crash verursachen willst, spring über den Hund. Für die ganze Aktion bleibt dir ein Zeitfenster von 1,5 Sekunden.

Zurück zum Drachenlauf. Nach gut 4 Kilometern sehe ich einen weiteren Husky der mir sehr bekannt vorkommt. Die pelzige Dame sieht Adele, der Hündin von meinem Laufkollegen Heiko extrem ähnlich. Kann ja nicht sein denke ich mir. Die beiden hätte ich ich doch vorher am Start schon gesehen. Seltsam, und auch der Mensch am Hund sieht aus wie Heiko. Als er dann wild mit den Armen fuchtelt und mir zuwinkt gibts es keine Zweifel mehr. Eine tolle Überraschung.

Heiko und Adele

Wir Läufer sind nicht die einzigen die dieses herrliche Wetter nutzen und die Umgebung erkunden. Herrscharen von Wanderen und Spaziergängern begegnen uns. Erste Menschenmengen treffen wir an der Ruine der Löwenburg nach 11 gelaufenen Kilometern. Bereits von hier lässt sich erahnen welchen fantastischen Ausblick der Drachenfels für uns bereithält. 

Blick ins Siebengebirge

Ideale Wetterbedingungen

Die Ruine der Löwenburg

Bei Kilometer 17,5 in etwa erreichen wir den Drachenfels und einen Kilometer später stehen wir unterhalb von Schloß Drachenburg. Allein für diese beiden Highlights hat sich die Mühe des beschwerlichen Weges gelohnt. Vom Drachenfels aus hat man einen unvergleichlichen Blick auf Väterchen Rhein sowie das gesamte Umland und Schloß Drachenburg erinnert ein wenig an Hogwarts. 

Besuchermagnet Drachenfels

So viele Menschen - für uns eher ungewohnt

Fantastische Ausblicke

Hogwarts am Rhein - Schloss Drachenburg


Nicht unerwähnt lassen will ich eine super nette Läuferin die bereits vor dem Start auf mich zukam und mir einen Spende für die Opferhilfe überreichte. Diese werde ich an meinen Partner-Verein "Gegen Missbrauch e.V." weiterleiten. Spenden dieser Art gehen auf ein Sonderkonto und kommen von sexuellem Kindesmissbrauch betroffenen Menschen auf direktem Wege zu Gute. An dieser Stelle nochmals meinen allerherzlichsten Dank! 

Jetzt folgt wie immer der Track zum Nachlaufen. Bis bald und herzliche Grüße

Euer Team Nanuk