Donnerstag, 1. September 2016

Vom Steinkistengrab zum Hobbit-Haus

22. August 2016: Langer Erlebnis-Trainingslauf  

Seit langem reizt es mich mal wieder einen längeren Trainingslauf abseits meiner bekannten Laufstrecken in Form einer Einweg-Strecke zu absolvieren. Mein Sommerurlaub scheint mir dafür die ideale Zeit zu sein. Ich laufe und meine liebe Frau holt mich am Nachmittag irgendwo ab. Oft hört oder liest man von einer besonderen Location und speichert die Infos im Hinterkopf ab. Das Outdoor-Zentrum Lahntal ist so eine abgespeicherte Info. Insbesondere das Tipi-Dorf hatte damals mein Interesse geweckt.


Das Hobbit-Haus im Outdoorzentrum Lahntal


Die Planung der Laufstrecke ist immer eine spannenden Angelegenheit. Es sind zahlreiche GPS- Planungs-Tools verfügbar aber meist kommt man mit einem allein nicht aus da genau DIE eine benötigte Funktion fehlt oder man sich deren Bedienung etwas komfortabler wünscht.

Meine oft und gerne genutzten Favoriten in diesem Bereich sind www.gpsies.com und www.komoot.de. Beide kombiniert sind für mich die perfekte Lösung. Letztere ist recht jung auf dem Markt aber aus meiner Sicht mit sehr guten Funktion ausgestattet. Man wählt Start und Zielpunkt und dann plant das Tool die Strecke anhand vorhandener Wanderwege mit sehr gutem Ergebnis. Besondere Highlights kann man sich einfach in seiner Karte anzeigen lassen und diese sehr schnell und unkompliziert in die Tour integrieren. Die Export/Import Funktion und die anschließende Übertragung des Tracks auf die Laufuhr funktioniert ebenfalls tadellos. Eine sehr nette Option, zumindest wenn man die Bezahlvariante des Tools erwirbt, ist die sprachgestützte Streckennavigation analog der KFZ Navis. Dazu lädt man zuvor die topografischen Offlinekarten auf die SD-Karte seines Smartphones. Diese stehen einem dann jederzeit auch im Handy-Netz freien Outback des tiefen Westerwalds dank GPS zur Verfügung. Einziges und größtes Manko des Tools ist die Tatsache, dass man keine Touren durch freies Gelände planen kann. Es muss also stets ein kartographiertes Element wie eine Straße, ein Wanderweg etc. vorhanden sein.             


Wurmnavigation mit der Suunto Ambit3 Peak Black

Was jedoch keine noch so gute Anwendung schafft, ist die aktuelle Situation und Beschaffenheit des Trails richtig darzustellen. Das wiederum führt selbsterklärend regelmäßig zu mitunter unliebsamen Überraschungen und Umwegen. Denn bei der Betrachtung eines Satellitenfotos kann ich beim besten Willen nicht erkennen ob es sich bei dem Trackabschnitt um eine Rückeschneise handelt die im Nirvana endet oder um einen 1A-Singletrail.

So, genug der Vorbereitung, lasst uns loslaufen. Ich habe ja bereits in früheren Posts einige kulturhistorische Highlights unserer Region wie z.B. die Dornburg aus der Keltenzeit vorgestellt. Direkt hinter unserem Haus ist der Einstieg in den Mondscheinweg der mich in Richtung Niederzeuzheimer Steinkistengrab aus der späten Jungsteinzeit um 1.900 v.Chr. führt. 






Von der Jungsteinzeit aus geht es ein paar Kilometer bergauf via Oberzeuzheim zur Wallfahrtsstätte "Sieben Schmerzen" die bereits im 14. Jahrhundert bekannt war. Dabei handelt es sich um eine Quelle der Heilkräfte zugesprochen wurden. Heute ist die Quelle von einer Mariengrotte gefasst.


Wallfahrtstätte "Sieben Schmerzen"

Die Quellfassung mit Mariengrotte



Unweit der "Sieben Schmerzen" erreicht man sowohl das "Heidehäuschen" als auch den "Keltenborn". Das Heidehäuschen ist ein vulkanischer Felsrücken der heute den Status eines Naturschutzgebietes hat. Gleichwohl hat das Gebiet einst den Kelten als Fliehburg gedient. Überreste einer Ringwallanlage sind noch heute erkennbar.       







Vor dem Aufstieg zum Heidehäuschen laufe ich noch den Schlenker zum Keltenbrunnen. Die Beschreibung und Beschilderung der jeweiligen Geopunkte ist sehr gut gemacht und anschaulich dargestellt.



Alte Steinstufen führen zum Brunnen hinab

Nachdem ich mich an dem wunderbaren Fernblick ins Limburger Becken erfreut habe erfolgt der kurze aber sehr rutschige Abstieg vom Heidehäuschen in Richtung Hintermeilingen. Bis zur nächsten Station auf meiner Tagestour sind es nur wenige Kilometer. Mein Ziel sind der "Quarzmann", der Quarzrundweg sowie ein rekonstruiertes Hügelgrab nordöstlich von Heckholzhausen in der Gemeinde Beselich etwa bei Kilometer 16. Auch hier warten wieder zahlreiche Hinweis- und Schautafeln auf interessierte low-tech Reisende.







Der rekonstruierte Querschnitt eines Hügelgrabes.

Der jetzt folgende Streckenabschnitt um Merenberg herum ist leider weniger attraktiv. Einzige Augenweide ist die Ruine der Burg Merenberg.


Ruine der Burg Merenberg

Die zweite Hälfte der Strecke hat ab Merenberg keine kulturhistorischen Perlen mehr zu bieten. Dafür erwartet dich am Ende der Tour das bereits erwähnte Outdoorzentrum Lahntal mit seinem Tipidorf, den Holzhäusern im Wald und einem gerade erst fertiggestellten Hobbit-Haus. 
Das soll jedoch nicht heißen, dass die finalen 20 Kilometer langweilig waren, keineswegs. Ich nutze die längeren Abschnitte über die "Fortsautobahnen" gerne zur Optimierung meiner Barfuß-Lauftechnik. Zwischendurch wurden meine Qualitäten in Bezug auf die Orientierung immer wieder auf die Probe gestellt. Wie gesagt, Streckenplanug und Linien auf einer Karte sind das eine, das tatsächliche Vorhandensein des geplanten Pfades das andere. Einige Pfade verliefen durch´s dichte Unterholz und endeten als Blinddarm direkt in einer Wildschweinsuhle. Vom Brombeergestrüpp zerkratzt habe ich nur noch darauf gewartet, dass Miss Piggy auftaucht um mit mir die Blutpolka zu tanzen....Keine Angst, ich stelle euch am Ende des Posts den bereinigten GPS-Track zur Verfügung.


Na wo ist wohl der Pfad?


                   
Ab Kilometer 31 wird man nordöstlich von Löhnberg-Niedershausen mit einem Anstieg von rund 100 Höhenmetern noch mal ganz nett gefordert. Die verbleibenden Kilometer bis zum Ziel südlich von Allendorf entschädigen die Mühe des Anstiegs mit dem Aufenthalt in einem herrlich alten Buchen und Eichenbestand.

Welchen Ursprungs die Überreste menschlicher Zivilisation auf dem nächsten Foto sind konnte ich bislang leider nicht in Erfahrung bringen. Vielleicht weiß es jemand von euch? Nach 35 ereignisreichen Kilometern und 900 Höhenmetern wartetet Carmen im Ziel bereits auf mich.  



  


Wie versprochen, der korrigierte Track zum Nachlaufen: