Dienstag, 18. Oktober 2016

Ein Assistenzhund für Ulrike

1.100 Kilometer in 24 Stunden - 2. Trail Rock 24 

Ulrikes Traum von einem PTBS-Assistenzhund zu verwirklichen war mir ein großes Anliegen und mein Herzenswunsch. Durch die Projektarbeit der vergangenen Jahre habe ich viele Menschen kennengelernt die von sexualisierter Gewalt und/oder sexuellem Missbrauch in der Kindheit betroffenen sind.

Selten fiel mir eine Ansprache so schwer.

In Gesprächen oder Briefen gewähren mir die Menschen sehr persönliche Einblicke in ihr Leben. Dabei den Schweregrad eines Falls objektiv zu bewerten, um daraus ableiten zu können wer die Hilfe am dringensten benötigt, fällt mir gewöhnlich extrem schwer. Bei Ulrikes Fall war das anders!



Obwohl ich bereits einige Opferbiografien kennengelernt habe, hat die von Ulrike meine Werteskala in Bezug auf die Grausamkeit von Tätern und deren menschverachtendes Handeln wieder einmal neu definiert und das wollte ich auch in meiner Begrüßungsrede zum Ausdruck bringen. Wie aber soll man das Geschene in Worte fassen ohne dabei die Identität des Opfers durch Details preiszugeben oder die Teilnehmer zu überforden?

Nach ein paar allgemeinen Willkommenssätzen und der Vorstellung des Vereins Fidelius e.V. komme ich auf Ulrikes Fall zu sprechen. Der Kloß in meinem Hals wird immer größer und ich muss schließlich eine kurze Sprechpause einlegen. Es sind zwar nur ein paar Sekunden die ich benötige um mich wieder zu fangen. Ein paar Sekunden die mir in diesem Augenblick jedoch wie eine Ewigkeit vorkommen. Der Balanceakt zwischen, aus meiner Sicht notwendiger Information und emotionaler Überforderung gelingt mir. Ein riesengroßer Stein fällt mir vom Herzen, ich atme auf und durch. Es folgt das übliche Streckenbriefing bei dem sich schnell wieder die wunderbar lockere und familiäre Atmosphäre des Trail Rock 24 einstellt.


Entspannte Runde

Fidelius e.V. ist ein eingetragener und als gemeinsnützig anerkannter Verein der sowohl Betroffene auf ihrem Weg zum eingenen Assistenzhund administrativ unterstützt als auch unsere eingehenden Spenden verwaItet. Interessierte können sich vor Ort im Gespräch mit Katja, Bea und Achim direkt aus erster Hand über die Arbeit von Fidlius e.V. und das Thema Assistenzhunde informieren. Darüber hinaus bietet sich die Gelegenheit ausgebildete (und angehende) Assistenzhunde live zu erleben. 


Conner, Assistenzhund in Ausbildung

Ein alter "Hase" - Valentino der Profi


In diesem Jahr sind einige Teilnehmer zum zweitenn Mal dabei aber auch wieder zahlreiche "Neulinge". Gerne wieder mit dabei gewesen wäre auch Katja und ihre Assistnezhündin Fianna von "Laufstark für´s Leben". Die beiden waren an dem Wochenende jedoch in eigener Sache für ihr Projekt von Frankfurt nach Hamburg unterwegs. Da auch wir leider nur auf einer Hochzeit gleiochzeitig tanzen können, haben Oliver und ich Katjas Projekt zumindest symbolisch durch das Tragen ihres Lauf-Shirts unterstützt. Die weiteste Anreise hatten übrigens zwei Läuferinnen aus Nürnberg.

Symbolische Unterstützung von Katjas Lauf von Jörg (links) & Oliver

Anders als 2015 befindet sich unser Basecamp diesmal auf dem Gelände des Jugendhauses Dornburg. Das ist ein Selbstversorgerhaus direkt am BlasisusSteig und somit mitten im Wald gelegen. Einen besseren Ort könnte ich mir für diesen Lauf nicht wünschen. 

Das Jugendhaus Dornburg

Da ich den BlasiusSteig mit seinen Sehenswürdigkeiten und Highlights in anderen Berichten bereits ausführlich mit Bild und Text beschrieben habe, möchte ich an dieser Stelle nur die entsprechenden Links und zwei, drei Fotos von unterwegs einfügen.

 
    Melanie & Guido, der kleine Punkt auf dem Hügel am Horizont ist die Blasius Kapelle.


    Ein wunderbarer Blick in den Taunus

    Nanuks gescheiterter Versuch im Dreiherrenbrunnen zu tauchen.

    Mein weißes "Wildschwein"

    Ein seltener Moment - Nanuk ist still.


    Olaf mit Yuma & Jörg mit Nanuk - nordische unter sich.

    Neben der geänderten Start/Ziel Location habe ich die Strecke anpassen müssen. Wir folgen also nicht mehr ausschließlich dem original Verlauf des BlaisusSteigs in voller Länge sonder weichen an zwei Stellen auf Alternativrouten aus. Der Trail Rock 24 erhält so zwei weitere Streckenvarianten die letztlich die Attraktiviät der Veranstaltung nochmals steigern da wir dadurch die Durchquerung zweier Ortschaften vermeiden - also Landschaft pur. Ein weiterer Vorteil ist, dass man die Gesamtstrecke bei Bedarf nun von 20 km auf die Hälfte verkürzen kann. Damit wären wir bei der Frage die mir gefühlt 10.000-fach gestellt wurde. "Ja....muss ich denn 24 Stunden am Stück laufen?" 

    Der "Trail Rock 24" ist eine Veranstaltung bei der jeder Teilnehmer 24 Stunden Zeit hat auf den vorgegebenen Strecken - 10 oder 20 km Runde - so viele Kilometer zurückzulegen wie er mag und kann. Man darf so viele Pausen machen wie man möchte, es wird gegrillt, viel gelacht, erzählt, am Lagerfeuer gefeiert und gezeltet. Ebenso falsch ist die Annahme, dass man laufen muss. Jede fußläufige Fortbewegungsart ist willkommen. Somit haben wir neben den Läufern auch immer Wanderer und Nordic-Walker unter den Teilnehmern.

    Beratung und Information sind ein wesentlicher Teil der Arbeit von Fidlelius e.V. 

    Hier schlafen Nanuk und ich. 

    Ein Teil der Versorgung, das Kuchenbuffet ist im Nebenraum

    Austausch unter Läufern


    Carmen & Martina nach der Nachtwanderung um 2:30 Uhr.

    Mein Frühstück. Allein dafür lohnt sich das Aufstehen.

    Es wurden bislang Distanzen zwischen 10 und 105 Kilomter in 24 Stunden zurückgelegt. Ja....du liest richtig 1-0-5 Kilometer, in Worten Einhundertundfünf! Diese Streckenrekord hat Oliver Nink aus Gückingen in diesem Jahr aufgestellt und die Messlatte damit verdammt hoch aufgelegt. Aus sicherer Quelle weiß ich jedoch, dass jemand festen Willens ist, diesen Rekord beim 3. TR24 in 2017 zu brechen. Wir alle dürfen gespannt sein.

    Thorsten ehrwürdig neben Rekordhalter Oliver.

    Laura & Sabine


    Preisverleihung  - Thorsten ist Zweitplatzierter

    Laura & Sabine werden ebenfalls für jeweils 31 gelaufene Kilometer geehrt.


    Unbestritten sind die großen und kleinen sportlichen Leistungen an diesem Wochenende extrem wichtig, da nur sie i.d.R. das benötigte Geld für die Anschaffung und Ausbidlung der von uns geförderten Assistenzhunde erwirtschaften. Als mindestens genauso wichtig erachte ich jedoch den offenen Dialog zwischen Betroffenen und Nichtbetroffenen. Aus meiner persönlichen Erfahrung als Betroffener heraus kann ich definitiv bestätigen, dass man sich erst dann wieder frei fühlen kann, den eigenen Scherbenhaufen zu einem neuen Leben formen kann, wenn man die eigene Angst über das Erlebte zu sprechen, überwunden hat.

    Ulrikes Traum vom eigenen Assistenzhund ist in Erfüllung gegangen. Die Finanzierung ist gesichert. Den größten Teil des Betrages hatten wir bereits bis zu diesem Wochenende gesammelt. Mit den zurückgelegten Kilometern der 53 Teilnehmer und der darüberhinaus eingegangenen Spenden des 2. TR24 konnten wir nochmals 1.105 Euro zur Verfügung stellen. Die Zahlung des letzten Teilbetrages wurde von einer Stiftung zugesagt.

    Der 3. Trail Rock 24 findet vom 9.-10. September 2017 statt.  

    Ich freue mich auf ein Wiedersehen und wünsche euch bis dahin ein tolle Zeit.

    Euer Jörg vom Team Nanuk


    1 Kommentar:

    1. Eine der schönsten Veranstaltungen an der ich bislang teilgenommen habe.
      Geniale Strecke, super Atmosphäre, perfekte Organisation.
      Der 3. Trail Rock ist bei mir fest vorgemerkt. Und wenn es nächstes Jahr nicht wieder so warm ist könnte man ja vielleicht darüber nachdenken .... :-)

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