Donnerstag, 16. April 2015

Team Nanuk läuft den 2. Pfälzer Bergland Trail

27.-29. März 2015:
Nanuk in Hochform und ich weiß zumindest wie man´s schreibt....


Ich habe schon lange vor mit Nanuk auch an weiter entfernten Trail-Läufen teilzunehmen. Es gibt einfach so viele unglaublich schöne Landschaften mit interessanten Strecken, auf denen wir gemeinsam unsere Laufabenteuer erleben können. Der Blick über den Tellerrand des Westerwalds hinaus ist also das erklärte Ziel. Bislang gestaltete es sich jedoch immer etwas schwierig, mit Nanuk irgendwo unterzukommen. Wer Nanuk am Sonntag nach der 23-km-Regen-Etappe gesehen hat, weiß warum….



Die Lösung: Team Nanuk wird mobil! Mit dem eigenen Wohnwagen. Und da genügend Platz in unserer Hütte ist, haben wir Thorsten und seinen Eurasier Gimli gleich mit eingeladen. Allerdings gestaltet sich das Zusammentreffen der beiden Rüden nicht ganz so harmonisch wie geplant, so dass die beiden nachts getrennt schlafen mussten.


Thorsten & Gimli - Jörg & Nanuk

So sieht´s aus, das neue Nanuk-Mobil

Wilde Rauferei mit einem Ungeheuer....


Aber auch Ungeheuer werden irgendwann mal zahm....spätestens im Schlaf...

An dieser Stelle möchte ich den “Campingplatz am Königsberg” in Wolfstein erwähnen und uneingeschränkt weiterempfehlen. Ein sehr schöner Platz und Hunde sind herzlich willkommen. Darüber hinaus top Sanitär- und Versorgungseirichtungen und eine hervorragende Küche im campingplatzeigenen Restaurant. Die Hundedusche für Nanuk, ein Traum……

Die Hundedusche - Luxus in Vollendung!

So, was war jetzt mit dem Lauf? Eigentlich will ich ja davon berichten. Ankommen, erstes Treffen mit alten und neuen Bekannten und offizielle Begrüßung mit Briefing am Donnerstag. Danach schnell noch Sachen packen und ab ins Bett.


Freitag: 52 Kilometer und 1.800 Höhenmeter

Anmerkung:
Meine Garmin GPS-Uhr zeigt eine geringere Entfernung und weniger Höhenmeter an als ich tatsächlich zurückgelegt habe. Scheint ein generelles Problem meiner Uhr zu sein. Habe es bei der aktuellen Strecke und durch den Uhrenvergleich mit anderen Läufern erst so richtig bemerkt.   




Start zur ersten Etappe von der Burg Lichtenburg bei Thallichtenberg zurück nach Wolftstein. Da unterwegs nur eine Versorgungsstation bei Kilometer 28 vorgesehen ist, nehmen wir alles, mit was Mann und Hund unterwegs so braucht.

Die Bedingungen des 2. Pfälzer Bergland Trails sind optimal. Wir haben angenehme 10° C, einen trockenen und somit griffigen Untergrund und einen herrlichen Wechsel aus Sonnenschein und harmlosen Wolken. Den überwiegenden Teil der Etappe folgen wir dem “Veldenz Wanderweg” von dem wir im zweiten Drittel auf den “Pfälzer Höhenweg” wechseln. Die Wanderwege sind insgesamt sehr gut ausgeschildert und dank GPS-Track und Wurmnavigation am Handgelenk hab ich mich nicht einmal verlaufen. Der gesamte Streckenverlauf ist sehr abwechslungsreich. Das Höhenprofil mit seinen knapp 2.000 HM durchaus anspruchsvoll.

Ich verzichte diesmal darauf, die wunderbarer Landschaft mit ihren zahllosen Bäche und Quellen ausführlich mit Worten zu beschreiben. Das können die Fotos viel besser. Ich kann nur jedem der diese Strecken wandern oder laufen möchte empfehlen sich Zeit zu nehmen, um die zahlreichen kleinen Details am Wegesrand entdecken zu können und die wunderbaren Fernblicke über die Hügel des Pfälzer Berglandes zu genießen.


7.00 Uhr in Wolfstein, heute ist der große Tag. 




So langsam dämmert mir warum das "Bergland" Bergland heißt.


  











  

Da mir mein Knie seit einiger Zeit wieder ein wenig Ärger bereitet und ich Kraft für den nächsten Tag sparen muss, steht meine Taktik für den Lauf von Anfang an fest. Die krassen Anstiege und Downhills werden gegangen! Der Rest läuft dann im gewohnten Reisetempo im 6:30-7:00er-Schnitt quasi wie von selbst.

So weit mein Plan. Mann-O-Mann! Ich kann doch nicht ahnen, dass Nanuk sich seinen eigenen Plan geschmiedet hat und er den stur, wie ein Panzer verfolgt. Normalerweise starten wir im “Sprinttempo” recht flotten Schrittes, damit er seiner anfänglichen Euphorie freien Lauf lassen kann und die angestaute Energie (no Energy-Drinks) los wird. Spätestens nach 1-2 Kilometern pendeln wir unser Tempo dann aufeinander ein. Die Verständigung bei Richtungsangaben, Tempowechseln und zu überqueren Hindernissen erfolgt sofern überhaupt notwendig ruhig und leise über die eingeübten Kommandos. So sind wir bis jetzt schon gut 4.000 Kilometer gelaufen. Schnell wird mir klar, dass unser heutiger Ausflug anderes ist und wenig mit Entspannung zu tun haben wird. Ich muss meinen haarigen Freund permanent dazu anhalten “laaaaangsamer” zu laufen.

Die Mittagsverpflegung in Glanbrücken rettet mir den Tag. Das Team um Günther Bergs hat an alles gedacht und ein “First-Class-Trail-Running-Buffet” aufgebaut. Man merkt sofort, dass in der Organisation viel Mühe, Einsatz und Herzblut stecken. Meinen herzlichen Dank dafür!

Nach gut 15 Minuten Pause geht es wieder weiter und mein Ehrgeiz den Tag hinter Nanuk gut zu überstehen ist wieder voll da. Wir biegen um ein paar Ecken herum und folgen dem Trail dann über einen Bauernhof. Nach wenigen Metern stutze ich und überlege, ob wir wirklich richtig sind. Offenbar schon, das Schild am Scheunentor ist von Günther. Wie cool ist das denn? Der Trail führt uns direkt durch die Scheune hindurch. Sind schon ein lustiges Völkchen, diese Pfälzer….

Auf die Idee muss man erst mal kommen.

Selfie 1 bei km 30: Man bin ich gut drauf, könnt grad ewig laufen... 

Selfie 2 bei km 40 und nach Anstieg: ....scheiße, Günther is et noch weit? 

Den Rest der Etappe laufen wir gemeinsam mit Michael und Annette. Die beiden sind so nett und die Zeit vergeht dank der tollen Gespräche wie im Flug. Nach 7 Stunden und 57 Minuten erreicht Team-Nanuk erschöpft aber zufrieden das Ziel in Wolfstein.


Die Quelle ist meine Rettung....kaltes Wasser war noch nie so lecker....


Kein Trail und kein Untergrund gleicht dem anderen.  










Samstag: 48 Kilometer und 1.600 Höhenmeter



Heute steht ein Rundkurs auf dem Programm. Zunächst wieder ein Stück über den “Pfälzer Höhenweg” um den Selberg herum. Dann nach links auf den “Remigius Wanderweg” der zum Wildpark auf dem Potzberg führt, wo nach 28 km das Team mit der 1A-Verpflegungsstation auf uns wartet. Der Rückweg vom Potzberg nach Wolfstein verläuft etwas anders und ist somit 8 km kürzer.

The day after....sieht erst mal nicht anstrengend aus....alles schön flach.

Ich hab´s geahnt!






Das meine ich! Egal ob Berg hoch oder runter, Nanuk zieht wie ein Ochse! Das ist nicht lustig...

Diese wunderbare Wiese lädt zum Päuschen ein...

Alter, was los?

Platt....haha, der tut nur so.  


Da ist er, der Potzberg! Also, den da ganz hinten meine ich. Ne Brücke wäre nicht schlecht.

Kurz nach dem Start in Wolfstein merke ich schon, dass mein Knie sich nicht an unsere Verabredung hält und Nanuk denkt sich “....na, wenn Jörgs Knie macht, was es will, kann ich das schon lange...” Nanuk und ich führen eine gleichberechtigte Beziehung. Wir respektieren uns gegenseitig und lösen unsere erzieherischen Konflikte harmonisch. Aber JETZT REEEEEIIIIICHTS! Ich habe zwei pubertierende Jugendliche zu Hause, ich brauche nicht noch einen Hund der meine Geduld permanent auf die Probe stellt!!! Ich ertappe mich dabei, dass ich ihn ungehalten anblöke. Ich weiß echt nicht, was mit dem Kerl los ist.

Spaß beiseite: Was soll ich lang drumherum reden? Ich bin echt fertig und kann die restlichen Kilometer ab dem Potzberg nur noch wandern aber nicht mehr laufen. Solange Nanuk sein Zuggeschirr trägt und an der Zugleine hängt, wird er aber nicht verstehen, warum wir  jetzt wandern und er langsam gehen soll. Er wird weiter ziehen wollen. Zur Erklärung: Zugleine und Zuggeschirr bedeutet immer “ziehen”. Darauf ist er konditioniert. Zum wandern oder spazieren gehen verwenden wir andere Leinen, Geschirre oder Packtasche, ein Halsband etc. dies hab ich aber alles nicht im Rucksack.

Mir tut es einfach nur leid, dass ich Nanuk dafür, dass er das tut was wir beide trainiert haben jetzt schimpfen soll. Das hat er nicht verdient und so entschließe ich mich dazu, dem schwärzesten Tag meiner Laufkarriere ins Auge zu blicken und erstmals eine Etappe bzw. einen Lauf abzubrechen. Unsere zweite Etappe endet also nach 28 Kilometern und rund 1.000 HM auf dem Potzberg.

Zu allem Überfluss macht mein Fotoknips auch noch die Grätsche. R.I.P kleine Trail-Nikon!

Sonntag: 23 Kilometer immer leicht bergab



Die finale Etappe verläuft über den Fritz-Wunderlich-Radweg vom saarländischen Freisen nach Kusel Stadtmitte. Ich bin so froh, dass es auf dem Campingplatz diese geile Hundedusche gibt, denn es regnet schon den ganzen Morgen und bis auf wenige Augenblicke auch ununterbrochen während des Laufs. Nanuk wird sich unterwegs von einem weißen Samojeden in ein Zebra verwandeln.

Wie gesagt, der schwarze Basaltsand ist sehr dekorativ und kontrastreich in Nanuks weißem Fell. “Oh, ihr Hund ist ja ganz schwarz” meinte unterwegs jemand zu mir. “Prima dann passt er jetzt wenigstens zu meinem gestrigen Tag!” Um das Drama von gestern nicht fortsetzten zu müssen, löse ich Nanuks Leine aus dem Karabiner und halte sie während des Laufens in der Hand fest. So hab ich ein wenig mehr Spielraum wenn er zieht und erspare uns die Schimpferei.

Der Fritz-Wunderlich-Radweg war eine Bahntrasse der ehemaligen Bahnlinie Kusel - Türkismühle und ist eine schöne Abwechslung für Trailläufer, die gerne mal etwas anderes sehen, möchten aber dazu nicht unbedingt auf die Straße wechseln wollen. Wir laufen durch zwei längere Tunnels und über mehrere Brücken.

Die letzten Kilometer des Pfälzer Bergland Trails gehen wir ganz locker an. Mir gehen die gesammelten Eindrücke und die netten Gespräche der vergangenen Tage durch den Kopf. Ich komme zu dem Ergebnis, dass ich trotz oder gerade wegen der abgebrochenen zweiten Etappe rundherum zufrieden bin und stolz auf mich sein kann. Ich habe die richtige Entscheidung getroffen, da ich meinen Willen nicht auf Nanuks Kosten durchgesetzt habe.

Im Ziel werden wir vom gesamten Team der Laufschule Bergs herzlich empfangen und erhalten selbstverständlich beide eine Medaille. Thorsten, der übrigens den 4 Platz in der Gesamtwertung erreicht hat, wartet mit Gimli bereits im Auto auf uns. “Super gemacht ihr beiden - danke für die schöne Zeit.”


Verdienter 4. Platz für Team Gimli (mit Thorsten) - Respekt ihr beiden!