Montag, 29. Dezember 2014

Aktion Gegen die Angst - Update #2

Was ein PTBS-Assistenthund leisten kann

Zu der Gruppe der Assistenzhunde gehören Blindenführhunde, Behindertenbegleithunde, Diabetikerwarnhunde, die eine an Diabetes erkrankte Person vor einer drohenden Unterzuckerung warnen, Signalhunde für gehörlose Menschen und so genannte Epilepsiehunde. Aber auch Hunde für Menschen mit einer posttraumatischen Belastungsstörung.


Typische Alltagssituation - Beim Einkaufen hält Valentino Bea den "Rücken frei" 

PTBS-Assistenzhunde werden nach speziellen Kriterien für ihre Arbeit ausgewählt und je nach Aufgabenprofil über einen Zeitraum von bis zu 24 Monate ausgebildet. Ziel der Hundeausbildung ist es, einen verlässlichen Partner für den Assistenzhundenehmer zu trainieren.

Dieser soll aktiv dazu beitragen die Einschränkungen im Alltag seines Menschen zu mindern. Er kann ihm zu mehr Mobilität verhelfen, das Gefühl von Sicherheit geben und dazu beitragen, die verloren gegangene Struktur des Tagesablaufs wieder zurückzugewinnen. Außerdem fördert er den Kontakt seines Menschen zur Außenwelt und zu anderen Personen.

Die optimale Hilfe für Menschen mit einer PTBS setzt sich aus verschiedenen ineinandergreifenden Maßnahmen zusammen. So lernen Betroffene im Rahmen einer Psychotherapie Strategien, um die jeweiligen Notfallsituationen beherrschbarer zu machen. Die vielseitigen “Helfer auf vier Pfoten” unterstützen ihren Menschen diese Strategien im Alltag besser umzusetzen. Gleichzeitig ist das wesentliche Ziel einer Psychotherapie, den Betroffenen weitestgehend unabhängig von Hilfsmitteln zu machen, so dass ein eigenständigeres, freieres Leben möglich ist. Der Einsatz eines PTBS-Assistenzhundes ist also als eine unterstützende Maßnahme parallel zu einer Psychotherapie mit ggf. medikamentöser Begleitung zu verstehen. In dieser Kombination kann sie jedoch besonders wirksam sein.

PTBS-Assistenzhunde werden von Außenstehenden oft mit gewöhnlichen Hunde oder Therapiehunden verwechselt. Einen PTBS-Assistenzhund erkennt man rein optisch an seiner Assistenzhundeweste, die er in der Öffentlichkeit trägt. Wichtig ist, wenn man auf einen Assistenzhund trifft, diesen nicht anzufassen oder abzulenken. Die Hunde arbeiten hochkonzentriert. Sie führen ganz gezielt Aufgaben für ihren Menschen aus. Eine, für PTBS-Assitenzhunde besonders komplexe Aufgabe ist das Übernehmen der Führungsrolle in Situationen, in denen der Mensch dazu nicht mehr fähig ist. Z.B. bei Menschen mit einer dissoziativen Persönlichkeitsstörung kann dies der Fall sein. Dies äußert sich in einer Veränderung der eigenen Wahrnehmung bzw. im Verlust der Fähigkeit Bewegungen und Handlungen selbst zu steuern und zu kontrollieren.

Einen Aspekt möchte ich nicht unerwähnt lassen. Ein Assistenzhund darf und muss neben seiner sehr anspruchsvollen Arbeit selbstverständlich auch ganz “normaler” Hund sein. Gassi gehen, schnüffeln, spielen, toben und der Sozialkontakt zu Artgenossen wird ebenso in das tägliche Trainingsprogramm eingebaut, wie die jeweiligen Aufgaben auf die der Hund hin ausgebildet wird.


Valentino tobt ausgelassen mit mir bevor ich einen Einblick in seine Arbeit bekomme.   

Valentinos Trainerin Nina Grosser von Hundenatur - Hunde fürs Leben
erklärt mir den Trainingsablauf.
 
Neben zwei PTBS-Assistenzhunden und deren Menschen habe ich selbst mittlerweile drei Einrichtungen und deren Hundetrainer kennen lernen dürfen, die sich auf die Ausbildung von (PTBS-)Assintenzhunden spezialisiert haben. Das Training der Hunde auf der Grundlage positiver Verstärkung war beeindruckend und die Vierbeiner waren mit großen Eifer und Begeisterung bei der Sache. Ich schreibe diesen Abschnitt bewusst da in den Köpfen mancher Menschen “Hundetraining” immer noch in der Schublade “gnadenloser Drill und Kasernenhofton” abgespeichert ist. Diese Trainingsmethoden sind nicht nur antiquiert und längst überholt, sondern unerwünscht.

Das "Dummy-Training" setzt Bea zur Belohnung und als Ausgleich
zum PTBS-Assistenzhundetraining ein.


Valentino  "bewacht" den Eingang während Bea in Ruhe die Haustür aufschließen kann
- das gibt große Sicherheit. 

Ein zweiter wesentlicher Punkt, der mir in diesem Zusammenhang wichtig ist, ist der Tierschutz. Verantwortungsbewusste Hundetrainer schaffen bereits im Vorfeld sichere Rahmenbedingungen für den zukünftigen Assistenzhund. Denn bevor ein Welpe oder Junghund ausgesucht oder gar angeschafft wird, ist zu prüfen, ob der zukünftige Assistenzhundenehmer allgemein in der Lage ist, eine im Sinne des Hundes optimale Betreuung zu gewährleisten. Darüber hinaus muss die “Maßnahme” PTBS-Assistenzhund durch den behandelnden Therapeuten befürwortet werden.

Der Verein Servicehunde Deutschland e.V. hilft bei der Suche nach geeigneten Assistenzhunden von seriösen Züchtern und vermittelt erfahrene Assistenzhundetrainer die sowohl die og. Rahmenbedingungen als auch die Einsatzgebiete des Hundes mit dem Halter sorgfältig erörtern. Sie erstellen ein individuelles Profil für die Alltagsarbeit und den notwendigen Ausgleich zur Arbeit des Hundes auf und lassen dies von Anfang an in die Ausbildung einfließen.

PTBS-Assistenzhunde lernen, wie sie ihren Menschen aus Angst- und Panikattacken, Flashbacks (Rückblenden) durch Bellen oder ein anderes Kommando wieder »zurück« holen können oder dissoziative Störungen wie die veränderte Wahrnehmung der eigenen Person oder des Identitätsbewusstseins zu unterbrechen. Hat sein Mensch nachts einen Alptraum, kann er das Licht anschalten und ihn aufwecken.

Hat ein Mensch Angst davor Räume zu betreten, weil er befürchtet, dass sich in ihnen ein Angreifer befinden könnte, lernt der Assistenzhund, die Räume zu durchsuchen, bevor sein Mensch sie betritt. Er zeigt ihm an, wenn der Raum für ihn “sicher” ist. Der Hund lernt seinen Menschen in der Öffentlichkeit abzuschirmen. In Kaufhäusern, an der Kasse, bei Behördengängen oder in Banken und Tankstellen schafft der Hund die nötige Distanz zu aufrückenden Personen. Dazu platziert er sich zwischen die aufrückenden Menschen und seinen Assistenzhundenehmer. Hilfe holen im Notfall und das Erinnern an die Einnahme von Medikamente kann mit dem Hund ebenfalls trainiert werden.

Bei Menschen mit einer Impulskontrollstörung (dissoziative Fugue) kann es zu zwanghaftem unvermitteltem Weglaufen ohne einen einsichtigen Grund und ohne ein fassbares Ziel kommen (Quelle: www.wikipedia.de, 18.12.2014). Der PTBS-Assistenzhund kann lernen, seinen Menschen in solchen Situationen nach Hause oder zum Auto zu führen.

Treten Panikattacken und Dissoziationen auf ist der Assistenzhund in der Lage seinen Menschen z.B. in einem Geschäft zum Ausgang zu führen oder zu einem sicheren, ruhigen Ort, wo sich der Betreffende hinsetzen kann. Eine weitere Möglichkeit bei eintretender Dissoziation besteht darin, dass der Hund lernt bestimmten Personen oder medizinischem Personal auf Kommando zu folgen und seinen Assistenzhundenehmer durch Menschenansammlungen zu führen. Nicht zuletzt wirkt allein die Nähe des Hundes beruhigend auf seinen Menschen.



Infobox: Was ist eine dissoziative Identitätsstörung?

Quelle: Zitat aus www.Wikipedia.de vom 18.12.2014:

"Eine dissoziative Identitätsstörung (DIS) nach DSM IV oder multiple Persönlichkeitsstörung (MPS) nach DSM III oder ICD 10 ist eine dissoziative Störung, bei der Wahrnehmung, Erinnerung und das Erleben der Identität betroffen sind. Sie gilt als die schwerste Form der Dissoziation. Die Patienten bilden zahlreiche unterschiedliche Persönlichkeiten, die abwechselnd die Kontrolle über ihr Verhalten übernehmen. An das Handeln der jeweils “anderen” Personen kann sich der Betroffene entweder nicht oder nur schemenhaft erinnern, oder er erlebt es als das Handeln einer fremden Person. Folgestörungen sind Depressionen, Angst, psychosomatische Körperbeschwerden, Selbstverletzung, Essstörungen, Suchterkrankungen und Beziehungsprobleme. Die Ursache soll eine posttraumatische Belastungsstörung sein, insbesondere infolge von Kindesmisshandlungen."


Hunde können etwas was nur Hunde können. Sie begleiten uns Menschen nicht selten 24 Stunden am Tag an sieben Tage in der Woche und freuen sich immer an unserer Seite sein zu dürfen. Sie sind absolut loyal und treu und sie bleiben bei uns ganz gleich ob wir einen guten oder schlechten Tag haben.

Für dieses Beitrag verwendete Informationsquellen:


Hier laufe ich mit Nanuk:

  • 31.12.2014: Sylvesterlauf in Montabaur, Cani Cross Sprintrennen
  • Januar 2015: Offizieller Start der Aktion “Gegen die Angst” mit einem Lauf auf dem Westerwaldsteig - Marathontrail
  • 24.-25. Januar 2015: 34. Internationales Schlittenhunderennen in Liebenscheid im Westerwald - Cani Cross Sprintrennen
  • 26.-29. März 2015: 2. Pfälzer Berglandtrail - Mehrtages-Ultratrail über 120 km
  • Juli 2015: Laufevent von “Jörg läuft gegen Missbrauch”....mehr wird noch nicht verraten.
  • 3. Oktober 2015: 5. Westerwaldsteig-Halbmarathon am Wiesensee
  • Oktober 2015: 29. Löwenlauf in Hachenburg - Marathontrail

Bleiben Sie auf dem Laufenden. Tanja hat einem persönlichen Brief geschrieben. Er richtet sich an alle Menschen, die mehr über die extrem schwierigen Zusammenhänge des komplexen Krankheitsbildes “PTBS” erfahren und die Aktion unterstützen möchten. Der Beitrag wird hier ab 5.1.2015 zur Verfügung stehen.

Die bisherigen Beiträge zur Aktion:


Seit dem 1.12.2014 zurückgelegte Strecke: 76,23 Kilometer