Samstag, 24. Mai 2014

Der Blasius-Steig

04. Mai 2014: Trailrunning Erlebnis rund um die Dornburg

Panoramablick in Richtung Dorndorf

Der Blasius-Steig zählt zu den Strecken, die seit längerem auf meiner Wunschliste stehen und gelaufen werden wollen. Zumal dieser Wanderweg ja in der direkten Nachbarschaft liegt und der Teil durch den Thalheimer Wald zu meiner Hausrunde gehört. Ich habe den Blasius-Steig immer stiefmütterlich behandelt und hinten angestellt. Möglicherweise, weil ich mir sicher war, mein Laufrevier gut zu kennen und kein besonderes Highlight erwartet habe. Tja, da war ich absolut auf dem Holzweg. Ich hab nicht schlecht gestaunt, als ich mich endlich auf den Weg machte!


Dieses kleine Trailrunning El Dorado steht dem großen Westerwald-Steig in Sachen Abwechslungsreichtum in nichts nach. Hier kommt man als Trailrunner voll und ganz auf seine Kosten. Man findet alle Untergrundsituationen geballt auf einem knapp 20 Kilometer kurzem Rundkurs vor. Es ist ein ständiger Wechsel zwischen Naturpfaden, Wirtschaftswegen sowie einsame Singletrails. Der Untergrund aus Wiesen, Waldboden, Matsch, Schotter und Basaltbrocken sorgt für den nötigen Laufspaß. Darüber hinaus ist das Streckenprofil eine optimale Aneinanderreihung von Steigungen, flachen Passagen zur Erholung und Gefällstrecken. Im Vergleich zu anderen Wanderwegen fällt die hohe Dichte kulturhistorischer und geologischer Sehenswürdigkeiten auf. Das ist eine Besonderheit.


Erstklassige Beschilderung  

Wegmarken

Der Blasius-Steig liegt im östlichen Teil Mittelhessens an der Grenze zu Rheinland-Pfalz im Landkreis Limburg-Weilburg (...ja genau das Limburg mit dem berühmten Bischof...). Den Namen verdankt der Steig dem Wahrzeichen der Gemeinde Dornburg, dem Blasiusberg.

Ich starte am Bahnhof Frickhofen, genügend Parkplätze stehen zur Verfügung. Am Streckeneinstieg bietet die angebrachte Hinweistafel einen guten Überblick über das Gebiet und den Streckenverlauf. Grundsätzlich kann ich sagen, dass der gesamte Weg wandertechnisch erschlossen und somit ausreichend beschildert ist. Ein GPS-Gerät benötigt man nicht unbedingt. Das Mitführen einer Wanderkarte der Region empfehle ich ortsfremden Besuchern trotz alledem. Ich persönlich habe zu viele böse Überraschungen wie z.B. verschwundene Hinweisschilder, zerstörte Wegmarken und gelaufenen Extrakilometer erlebt. Wenn ich mich auf fremdes Terrain begebe, gehe ich auf Nummer sicher. Ich lade mir den GPS-Track zur Strecke in meinen Garmin Forerunner 310XT und folge der angezeigten „Wurmnavigation“. Läufer folgt schwarzem Pfeil auf schwarzer Linie. Ganz einfach!

Wurmnavigation!
Für´s Laufen ideal da ohne störende Kartendetails.

Vom Starpunkt aus laufe ich ein paar Minuten entlang der Bahngleise, dann nach Nordwesten in Richtung Wald. Über eine alte Straße aus groben Basaltsteinen führt der Weg zu einem Fachwerkanwesen, bei dem es sich allem Anschein nach um eine ehemalige Gaststätte mit dem klangvollen Namen „Dornburg“ handelt. In unmittelbarer Nähe der Gebäude, wo der Weg endet und der Trail beginnt, stoße ich auf das Hinweisschild „Ewiges Eis“ in 50 Metern.

Blick in Richtung Elbtal

Echte Handarbeit - das hält!

Die "Dornburg" 

  
Ab hier wird urig


Gehört hatte ich von dem hessenweit einzigartigen Phänomen, ich war aber noch nie dort. Das »Ewige Eis« ist eine Basaltstein-Geröllhalde am Fuße der Dornburg. Diesmal ist nicht das Gasthaus, sondern eine Anlage aus der Keltenzeit gemeint. Die Steinhalde ist selbst im Sommer bis in viele Meter Tiefe mit einer Eisschicht durchzogen. Wie das funktioniert will ich genauer wissen und werfe einen Blick auf die Infotafel und in die beiden Schächte, die bis weit unter die Halde reichen. In den dunklen Stollen kann ich zwar kein Eis erkennen, der eiskalte Luftzug, der aus dem Inneren des Berges strömt, überzeugt mich dennoch.

Die Stollen führen bis weit
unter die Halde.

Der Luftzug ist eiskalt.

Das Phänomen wird ausführlich beschrieben.

Nach diesem kühlen Erlebnis der besonderen Art folge ich dem schmalen Trail bis zur Aussichtsplattform auf dem Hildegardisfelsen. Der Sage nach stürzte Hildegard, die Tochter des Bürgermeisters auf Grund der tragischen Liebe zum Raubritter Ruprecht von hier in den Tod. So traurig die Geschichte ist, so schön ist der Fernblick über das Limburger Becken bis in den Taunus hinein. Noch ein paar Fotos schießen und dabei die Stimmen des Waldes wirken lassen. Jetzt geht es zu den Resten des Keltenwalls aus dem 6. Jhdt. vor Christus dem die Gemeinde Dornburg ihren Namen verdankt. Zugegeben man muss wissen, dass die kulturhistorisch wertvollen Überreste in diesem Bereich zu finden sind. Die Natur hat ihr Territorium längst zurückerobert und alles überwachsen.


Die Natur setzt sich durch...

...und erobert die "Dornburg"


Die Aussichtsplattform wurde komplett saniert.

Fernblick in den Taunus.

Einige Laufminuten später erreiche ich den am Fuß des Blasiusberges liegenden Ort Wilsenroth. Ich folge dem „Totenweg“ in Richtung Blasiuskapelle. Die Besichtigung spare ich mir heute, da wir schon ein paar Mal dort waren. Es geht über phantastische Naturwege und einsam gelegene Singletrails weiter in Richtung Dorndorf. Dort angekommen hat man etwas mehr als die Hälfte der Strecke absolviert. Bis dahin ist es aber noch ein gutes Stück. Die nächsten Infotafeln erzählen vom „Watzenhahn“ und der „Glockenwiese“.



Blick vom Totenweg aus in Richtung Frickhofen.

Basalt - Das Gold des Westerwalds.

Brücke über sumpfiges Gelände.

Die Glockenwiese


Unweit der Glockenwiese weckt ein unscheinbarer Basaltstein meine Aufmerksamkeit. Wie ich jetzt weiß, ist das eindrucksvolle Monument ein alter Grenzstein. Der „Dreiherrenstein“ markierte einst die Grenzen der Herrschaften von Nassau-Oranien, Westerburg-Leiningen und Trier. Nur einen Steinwurf durch den dichten Wald entfernt kann man die Reste des „Dreiherrenbrunnens“ bewundern.


Dreiherrenstein


Dreiherrenbrunnen

Auf dem letzten Stück des Weges von Dorndorf nach Thalheim lasse ich die Landschaft auf mich wirken und genieße für ein paar Kilometer das meditative Laufen.


Basaltsteinbruch bei Dorndorf
   
Die Kieselquelle

Einfach nur so weil´s schön aussah.

Einsamer Pfad bei Dorndorf

Apfelbaum auf Streuobstwiese

Blick in Richtung Thalheim


Der Salzbach bei Thalheim.


"Taxi" oder weiterlaufen?

Der finale Streckenabschnitt bis Frickhofen ist wieder befestigt. Ein Wegstück, das sich bei schlechtem Wetter hervorragend zum Wandern oder Spazierengehen eignet. Als Läufer finde ich den Abschnitt nicht so attraktiv. Wer jedoch am Sonntag mit der Familie und Kinderwagen eine nette Runde drehen will, ist dort gut aufgehoben. Interessant fand ich die Tatsache, dass es auf diesem Teil der Strecke eine Straußenfarm zu bestaunen gibt. Neben frischem Straußenfleisch kann man auch diverse andere Straußenprodukte in einem kleinen Shop einkaufen. Auf der Internetseite www.straußenfarm-sabel.de findet man viel Wissen zum Thema Strauß.


Kurz vor Frickhofen.

Die Strauße selbst waren leider zu weit weg 

Mein Fazit: Es gibt nahezu überall fantastische Strecken zum Wandern und Laufen, man muss sich nur auf den Weg machen! Angenehm überrascht hat mich beim Erlaufen des Blasius-Steigs auf jeden Fall die Vielfältigkeit und Kurzweiligkeit. Das hohe kulturhistorische und geologische Angebot sowie die liebevoll aufbereiteten Informationen vor Ort machen den Blasius-Steig zu einem echten Erlebnis. Ich glaube, ich habe hier meine neue Hausstrecke gefunden.



Zum Herunterladen der Strecke auf "Team-Nanuk" klicken.

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