Mittwoch, 12. Februar 2014

Westerwald-Steig-Etappenlauf: Bericht Etappe 4


12. Januar 2014: Von Hachenburg nach Freilingen - Männer allein im Busch
 

Nachdem Nanuk mir bereits seit einer halben Stunde auf Schritt und Tritt folgt und mich ständig mit der Nase anstupst sitzt er jetzt voller Erwartung auf den heutigen Lauftag im Auto und wartet darauf dass es endlich losgeht.





Die 4. Etappe meines Westerwaldsteig-Etappenlaufs gegen sexuellen Missbrauch steht an und auch ich bin froh, dass wir das Projekt endlich fortsetzen können. Seit Beginn der Weihnachtsferien habe ich die Wettervorhersage ständig im Blick und warte auf den perfekten Tag. Die Vorhersage für heute lieferte mir die entscheidenden Argumente. Wolkenloser Himmel, viel Sonne und milde Temperaturen um 6 °C.

Als wir nach 40 minütiger Fahrt in Hachenburg ankommen sehe ich Nanuk´s fragenden Blick. Er verrät mir alles. “Wie jetzt allein? Wo sind die Anderen?” Der Trubel und die Vielzahl der Läufer die Nanuk von der Teilnahme an den vergangenen Wettbewerben her gewohnt ist haben ihm offenbar gut gefallen. “Hey Nanuk alter Schlittenhund! Heute ist meditatives Laufen angesagt. Wir beide allein im Busch, kein Stress, keine Hektik. Das wird super!” Alleine laufen bedeutet aber auch keine Annehmlichkeiten, sprich kein Versorgungsfahrzeug. Alles was Mann und Hund benötigt bringt immerhin gute 6 Kilogramm auf die Waage und wird im Rucksack mitgeschleppt.


Hinweisschild mit Infos zu den Highlights der Etapp


Tatsächlich habe ich mir vorgenommen die heutige 40 km Etappe von Hachenburg nach Freilingen mit Nanuk allein zu laufen. Nach dem hektischen Weihnachtsrummel habe ich das Bedürfnis nach Stille und Einsamkeit. Ich will mich ganz auf die Strecke, die Natur und die Landschaft um mich herum einlassen und den Lauf in seiner vollen Intensität genießen.

Wir starten um 11:00 Uhr vom Parkplatz am Burggarten unterhalb des Hachenburger Schlosses auf einer Höhe von rund 380 m ü. NN. Bevor es richtig los geht passieren wir schon die erste Sehenswürdigkeit - das Landschaftsmuseum Westerwald. Es liegt direkt hinter dem Burggarten und besteht aus mehreren original Westerwälder Fachwerkgebäuden die zeigen wie die Menschen im Westerwald noch zum Teil bis in die 1960er Jahre lebten.


Das Hachenburger Barockschoss

Das Landschaftsmusuem Westerwald




Wir lassen Hachenburg hinter uns und laufen in Richtung Bad Marienberg. Kaum hat sich der Untergrund vom befestigten Weg in Trail-Terrain gewandelt, wird die Strecke nass und rutschig. Abschnittsweise sind die Wege nur noch gehend passierbar. Die Arbeit der Forstmaschinen macht sich nach dem Regen der letzten Wochen in den Rückeschneisen richtig bemerkbar. Durch teilweise knöcheltiefen Matsch bergab schliddernd erreichen wir bereits nach 5,2 km den mit 288 m ü. NN tiefsten Punkt der Etappe. Der Trail geht hier für einen kurzen Abschnitt in einen befestigten Fahrradweg über auf dem wir zunächst den Hirzbach, die L 281 und dann die Große Nister überqueren.

Wenn es einen „tiefsten Punkt“ gibt, wird es auch eine „höchsten Punkt“ geben. Den gehen wir jetzt an. Die Strecke führt uns über knackige Anstiege an den Dörfern Korb und Stangenrod vorbei. Wir erreichen den Hochpunkt auf 581 m ü. NN bei Kilometer 10,5 km.



Die letzten Meter als weißer Hund!

Grünes "W" auf weißem Grund

Mein Lieblingsmotiv - Nanuk und die Quellen



Eine Variante der Bachüberquerung...



Kurz vor unserem ersten Zwischenziel, dem Kletterwald Bad Marienberg erhebt sich vor uns unerwartet eine imposante Basaltformationen aus dem Waldboden. Bei Kilometer 11,5 stehen wir am Fuß des Großen Wolfsteins. Was für Steigungen gilt, gilt auch für Wolfsteine. Dem Großen folgt der Kleine Wolfstein nach wenigen hundert Metern.


Der Große Wolfstein

...und von oben


Der Kleine Wolfstein

...und von unten


Von hier aus trennen uns nur noch wenige Minuten vom wohlverdienten ersten Päuschen. Mit etwas beschlagenen Brillengläsern laufen wir bei Kilometer 12,5 km am Kletterwald ein und ich sehe jemanden der meinem lieben Schwager Steffen verblüffend ähnlich sieht. Hey, er ist es und da ist auch Schwesterherz Katja mit den Jungs. So wird aus der Pause ein spontanes und unerwartetes Familientreffen.

Mein Patenkind

Wir beide, Katja, Steffen und die Jungs

Bad Marienbergs Wildpark liegt auf 535 m ü. NN und hat als Ausflugsziel einiges zu bieten. Neben den zahlreichen Wildtieren, gut ausgebauten Rundwegen die bei jedem Wetter begehbar sind und dem Kletterwald gibt es einen großen Kinderspielplatz, einen Aussichtsturm, eine tolle Gastronomie und vieles mehr.

Unweit vom Wildpark gelegen befindet sich der Basaltpark, ein still gelegter Steinbruch der heute als Freilichtmuseum genutzt wird. Der Besuch des Tier- und des Basaltparks sowie die Parkplatzbenutzung sind übrigens kostenfrei.


Der Basaltpark.....




Westerwälder Basaltsäulen




Nach dem wir eben noch den Rückespuren im Wald gefolgt sind durchlaufen wir als nächstes die gepflasterte Fußgängerzone Bad Marienbergs. Gott sei Dank ist es die einzige längere Ortsdurchquerung auf dieser Etappe. Bevor wir den “Urban-Trail” wieder verlassen führt uns der Weg noch durch den wunderschönen Kneipp´chen Apothekergarten und am Barfußweg vorbei. Damit ist der Ausgleich zur Fußgängerzone gelungen. Von der Langenbacher Straße aus gelangen wir hinunter zur Schwarzen Nister deren Verlauf wir bis zur Mündung in die Große Nister bei Langenbach folgen. Dabei unterqueren wir zwei schöne Rundbogen-Brücken. Die Erste führt uns unter der L 294, die Zweite unter der K 60 hindurch.

Die Schwarze Nister

Brücke der L 294

Brücke der K60






Auf den nächsten Kilometern folgen wir im Wesentlichen dem Verlauf der Großen Nister über die kleinen Orte Hardt und Nistertal. Nach 24 gelaufenen Kilometern erreichen wir den Tertiär- und Industrie-Erlebnispark Stöffel (Stöffelpark) in Enspel. Zur Attraktion wurde der ehemalige Basaltsteinbruch nach dem spektakulären Fund der „Stöffel-Maus“, einem fossilen Kleinsäuger mit Gleithäuten im Jahr 1992. Heute steht das gesamte Gelände mit der gut erhaltenen Industrieanlage interessierten Besuchern als Museums- und Eventgelände zur Verfügung. 

Ich bin immer wieder erstaunt welche Wirkung ein paar Höhenmeter mehr oder weniger in den Beinen doch haben können. Bei der heutigen Etappe sind mehr als 90 % der knapp 800 Höhenmeter auf den ersten 25 Kilometern zu bewältigen. Erschwerend hinzu kommt der rutschige Untergrund der unglaublich viel Kraft schluckt. Von daher absolviere ich einen Teil der krassen Steigungen gehend. Obwohl mir die Gehpausen etwas Luft verschaffen bin ich ganz schön platt als wir bei Kilometer 28 auf dem letzten Hochpunkt der Etappe, einem kleinen Windpark auf gut 500 m ü. NN. ankommen. Fein, ab hier heißt es: Gang raus und rollen lassen.

Das nächste Teilstück ist mir vertraut. Vergangenen Oktober sind Nanuk und ich hier bereits im Rahmen des alljährlichen Hachenburger Löwenlauf-Marathons entlang gekommen. Der Löwenlauf-Route folgen wir in Richtung Westerwälder Seenplatte und passieren die Ortschaften Lochum und Linden.

Wintermärchentagwetter




Die Zeit rast und wir sind mittlerweile seit einigen Stunden unterwegs. Langsam aber sicher fange ich auf Grund der durchgeschwitzten Klamotten an auszukühlen und sehne mich nach einer heißen Dusche. Das ist das tückische bei langen Läufen an sonnigen Wintertagen. In der Mittagssonne schwitzt man ordentlich, insbesondere unter dem Rucksack und dann schlägt die Physik gnadenlos zu. Sobald die wärmende Kraft der Sonne nachlässt kann die feuchte Umgebungsluft den Schweiß nicht mehr aufnehmen. Fazit: Da trocknet nix mehr.





Für unsere letzte Rast habe ich bei Kilometer 33 einen sehr schönen Platz ausgewählt - die Quelle der Wied in Linden. Man findet sie auf 460 m ü. NN. am Ortsausgang Linden in Richtung Dreifelden. Lange können wir uns jedoch nicht aufhalten, ich beginne jetzt merklich zu frieren und das ist nicht gut. Schnell das letzte Käsebrötchen und ein Kohlehydratgel futtern, Nanuk versorgen und weiter geht es leicht bergab nach Dreifelden.


Wir rasten  an der Wiedquelle in Linden

...und eine andere Variante...

 

Die Westerwälder Seenplatte besteht aus einer Gruppe von 7 Teichen die im 17. Jahrhundert zur Fischzucht künstlich angelegt wurden. Mittlerweile wurden der Brinkenweiher, der Haidenweiher, der Wölferlinger Weiher und auch der südliche Teil des Dreifelder Weihers zum Naturschutzgebiet erklärt. Man kann hier zahlreiche Wat- und Sumpfvögel beobachten. Der mit 123 Hektar Fläche größte Teich, der Dreifelder Weiher liegt auf 415 m ü. NN. und wir erreichen ihn nach gut 35 gelaufenen Kilometern. Die Region um die Westerwälder Seenplatte ist landschaftlich sehr reizvoll und zieht jährlich zahlreiche Campinggäste und Naturfreunde an. Auch Nanuk und ich kommen öfter hierher um mit Freunden eine Runde zu Trainieren. Während wir von Dreifelden aus gesehen links herum ein Stück am See entlang laufen sinkt die Sonne und beschert uns an diesem Winternachmitttag einen herrlichen Sonnenuntergang. Es ist zum Glück nicht mehr weit bis zum Etappenziel in Freilingen. Das sollten wir erreichen bevor die Sonne gänzlich verschwunden ist denn meine neue, super-geniale Silva-Stirnlampe habe ich zu Hause vergessen.

Blick über den Dreifelder Weiher


Wir laufen am Brinkenweiher vorbei und erreichen bei Kilometer 38,8 den Postweiher gerade als die Sonne den Wald in ein fantastisches Licht taucht. Leider gelingt es mir nur bedingt diese Stimmung mit meiner einfachen Kamera richtig einzufangen.


Brinkenweiher

Postweiher


Nach einer Zeit von 5:56:34 Stunden erreichen wir müde und geschafft aber rundum glücklich unseren Zielpunkt in Freilingen. Jetzt aber nichts wie raus aus den feuchten Sachen und rein in die warmen Fleece-Klamotten - da soll noch mal jemand behaupten PET-Flaschen seien zu nichts zu gebrauchen. Das unterwegs georderte Taxi trifft wenige Minuten nach uns ein und bringt uns zum Startpunkt zurück.
Während Nanuk zufrieden auf seinem Belohnungsknochen herumkaut lasse ich den heutigen Tag noch einmal Revue passieren. Es hat alles gepasst und ich bin glücklich darüber mein Projekt um weitere 40 Kilometer bereichert zu haben. Jetzt folgt der harte Teil der Projektarbeit – die Suche nach „Kilometerpaten“ die helfen, unsere Laufleistung durch ihre Spende in finanzielle Mittel zur Unterstützung von Missbrauchsopfern umzuwandeln.
 


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