Sonntag, 2. Februar 2014

Westerwald-Steig-Etappenlauf: Bericht Etappe 3


Jetzt endlich! Der Bericht zur dritten Etappe mit viiiiiieeeeeel Verspätung.

07. April 2013: Von Marienthal nach Hachenburg
 

Für die heutige Etappe haben sich einige Läufer aus der Region “Unterer Westerwald” angemeldet. Martin und Jens können mich leider nicht weiter begleiten. Dafür steht Matthias, ein Läufer aus meinem Ort, bereits in den Startlöchern als ich ihn abhole. Das anfänglich trübe Wetter verspricht die Fortsetzung des gestrigen Wetterdesasters zu werden. Aber, wenn “Engel” reisen…. mit jedem Kilometer den wir dem Startpunkt in Marienthal näher kommen wird der Himmel klarer. Nach und nach gewinnt die Sonne die Oberhand über den morgendlichen Dunst und steht uns beim Anziehen am Startpunkt wärmend zur Seite. Die Stimmung ist perfekt. Wir treffen fast zeitgleich mit den übrigen Läufern ein.

v.l.n.r. Detlef, Monty, Karin, Kerstin, Jörg & Nanuk, und Matthias


Im Anschluss an die obligatorische Vorstellungsrunde und ein paar wenigen Sätzen von mir zum Projekt starteten wir unseren Lauf in Richtung Heimborn. Frisch und voller Elan gehen die “Neuen” die ersten Steigungen mit entsprechend hohem Tempo an. Nanuk läuft voller Begeisterung und Tatendrang laut bellend hinterher. Von Elan kann man bei mir nach den ersten beiden Hammeretappen nicht mehr unbedingt sprechen und so hänge ich quasi wie ein Fähnchen flatternd im Wind am Ende der Zugleine. Zumindest kommt es mir so vor. Die erste beiden Lauftage haben Nanuk offenbar so heiß aufs Laufen gemacht, dass ich ihn immer wieder mit einem kräftigen Ruck an der Leine bremsen muss. Ich muss zugeben, mir haben die knapp 90 Kilometer der ersten beiden Etappen einiges abverlangt. Was mir gar nicht gefällt ist der stechenden Schmerz in meinem rechten Knie, der mir seit ein paar Minuten unbedingt mitteilen will, dass er vorhanden ist.



Wir genießen den Augenblick  

Nach ca. 4 gelaufenen Kilometern kommen wir an einen Steilhang der über einen schmalen Singeltrail hinunter zur Nister führt. Eigentlich eine super schöne und spannende Passage, aber definitiv nicht heute! Nanuk zieht weiter wie ein Wahnsinniger an der Leine. Die vorauslaufende Gruppe und die Downhill-Strecke heizen Nanuk immer weiter an. Er ist kaum noch über unsere Kommandos zu beherrschen und ich überlege ob ich ihn nicht besser von der Leine los mache. Ich entschließe mich dies nicht zu tun, zu groß ist die Gefahr, dass sich Nanuk in seinem Übermut verletzt. Ich versuche stattdessen seitwärts den Hang runter zu laufen um die Belastung des Knies zu reduzieren, muss jedoch gleichzeitig gegenhalten um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Ungefähr auf  halber Höhe des Abhangs habe ich plötzlich das Gefühl als ob mir jemand einen spitzen Gegenstand von hinten durch mein Knie bohrt. SCH…..tut das weh! Mein größter Wunsch in diesem Moment, heile unten ankommen und mir ist klar, dass ich die Tagesetappe nicht komplett laufen werde. Aber ich muss zumindest bis zum ersten Verpflegungspunkt durchhalten.

Der "Abhang des Grauens"

Bevor ich ans ausruhen denken kann hat der Steig noch noch eine harte Prüfung für mich parat. Der nächste Streckenabschnitt führt uns über einen Klettersteig parallel zur Nister. Zur Sicherheit sind Stahlseile gespannt von denen ich reichlich Gebrauch mache. Der Trail führt uns über Felsblöcke und Absätze von gut 1 m Höhe. Normalerweise kein Problem, dennoch habe ich Mühe die Hindernisse einigermaßen schmerzfrei zu überwinden. Ganz nebenbei muss ich Nanuk auch noch im Auge behalten. Bei einigen Hürden muss ich ihn hoch- und wieder runterheben. Im nächsten Moment gehen wir im Gänsemarsch über einen schmalen Tritt und Nanuk rutsch ab. Wozu ein Zuggeschirr doch gut ist. Nur am Halsband geführt hätte ich ihn nicht halten können und er wäre denn Hang hinunter gestürzt. Während ich mich mit der einen Hand am Stahlseil festhalte, ziehe ich Nanuk mit der anderen Hand zurück bis er von selbst Halt findet. Wieder festen Boden unter den Pfoten schüttelt er sich und wedelt freudig mit dem Schwanz.

In Heimborn angekommen überlegen wir wie es weitergeht.Wir beschließen, dass die Gruppe das nächste Teilstück ohne mich läuft und ich erst zum finalen Teilstück ab Limbach wieder dazu komme. Kerstin hat mir zwischenzeitlich einen Eisbeutel für die Erstversorgung beschafft und ab jetzt habe ich ca. 1 Stunde Zeit mein Knie soweit zu kühlen, dass zumindest die Schwellung zurück geht. Die Zeit der Pause vergeht dank des herrlichen Sonnenscheins und der netten Gesellschaft meines lieben Schwagers Steffen wie im Flug.

Die Enttäuschung über die
Zwangspause ist denkbar groß

Nanuk nimmts locker und amüsiert sich mit Steffen

Bis Hachenburg sind es noch 10 Kilometer zu laufen, das schaffe ich, egal wie. Wir bekommen Verstärkung von weiteren Läufern. Monika, die mich in den vergangenen zwei Tagen bereits über einige Teilstücke begleitet hat sowie Kerstin (2) und Jutta. Unterwegs stößt Achim dann noch zu uns.

v.l.n.r. Kerstin (2), Monika, Jutta, Jörg & Nanuk,
Kerstin, Matthias, Monty, Detlef und Karin


Was wir alle nicht wissen, wir werden auf dem “Alten Markt” in Hachenburg erwartet. Der Gewerbeverein und meine Kolleginnen und Kollegen der Kreisverwaltung Altenkirchen haben einen offiziellen Empfang mit zahlreichen Gästen vorbereitet. Johannes und Monika Heibel sind mit Schutzbär Bulli und dem Jugendschutzmobil der Initiative vor Ort und werden von meiner Familie unterstützt. 

Vor dem Zieleinlauf wartet allerdings noch die Challenge des Tages auf mich. Ein steiler Anstieg mit unzähligen Stufen. Krass, während ich mich mehr springend als laufend den Hang hocharbeite versuche ich mir die eine oder andere Träne zu verkneifen. Mein Ziel, die nächsten drei Lauftage am kommenden Wochenende zu absolvieren, rückt mit dieser Erfahrung in weite Ferne.


Das sieht nicht nur steil aus.....


Wir erreichen meine Heimatstadt Hachenburg über den Burggarten. Das heutige Barockschloss wurde ursprünglich um 1180 von Graf Heinrich II als Burg errichtet und erst nach dem großen Stadtbrand im Jahre 1654 als Barockschloss wieder aufgebaut. Neben dem Schloss hat Hachenburg eine Menge kulturhistorischer und touristischer Highlights zu bieten und ist zu jeder Jahreszeit eine Reise wert (Cadillac Museum, Hachenburger Brauerei, Landschaftsmuseum Westerwald).




Die Stimmung könnte bei unserer Ankunft auf dem “Alten Markt” nicht besser sein. Wir alle waren von dem großartigen Empfang überwältigt. Musik, ein “First-Class” Versorgungsstand mit kalten Getränken und Obst, das Flair der Stadt und die Herzlichkeit der Menschen ließen uns die Anstrengungen des Tages vergessen.


Was für ein genialer Empfang 


Viele ehemalige Kolleginnen und
Kollegen sind gekommen


Prost, auf Euch!

Meine herzallerliebste Carmen und die Jungs

Kerstin, Kerstin (2), Jutta, Detlef und Monika  

Jörg und Johannes - Gemeinsam gegen Missbrauch!


Frau Greis, heißt uns als offizielle Vertreterin der Stadt Hachenburg herzlich willkommen und überreicht mir im Rahmen einer feierlichen Ansprache eine großzügige Spende. Thomas Leue schließt sich dem an. Im Namen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kreisverwaltung Altenkirchen kann auch er mir einen stattlichen Betrag zur Verfügung stellen.


3. v. l. Thomas Leue, Kreisverwaltung Altenkirchen, 
Karl Josef Mies, Leiter Hachenburger Werbering, 
Jörg & Nanuk, 
Gabriele Greis, Erste Beigeordnete, VG Hachenburg, 
Johannes Heibel von der Initiative

v.l.n.r. Nanuk mit Carmen, Matthias, Monty, Kerstin (2)
Kerstin, Monika, Jutta, Karin, Detlef und Jörg

v.l.n.r. meine Jungs, Johannes, Schutzbär Bulli,
Carmen, Matthias, Jörg & Nanuk, Jutta,
Monika und Kerstin 
Auch wenn ich meinen Lauf auf Grund der Verletzung unterbrechen muss, habe ich mein Ziel bereits heute erreicht. Die persönliche Anteilnahme der Menschen hier vor Ort an meinem Lauf gegen Missbrauch zeigt mir, dass es richtig ist, mein Schweigen zu brechen und die Wahrheit, so schlimm sie auch sein mag, öffentlich zu machen.