Sonntag, 10. November 2013

Löwenlauf Hachenburg 2013

19. Oktober 2013: Marathon im Land der Wäller!

Obwohl wir die Distanz von mehr als 42 Kilometern schon mehrfach gemeinsam gelaufen sind, ist der diesjährige Löwenlauf dennoch der erste offizielle Marathon an dem Nanuk und ich teilnehmen. Gleichzeitig wird es der Probelauf für die Fortführung des “Westerwald-Steig-Etappenlaufs”. Im April musste ich den 6-tägigen Lauf wegen einer Verletzung vorzeitig abbrechen. Wenn mein Knie stabil bleibt will ich die drei noch fehlenden Lauftage im Dezember nachholen. Mein Ziel für heute lautet also: Ankommen! Meine Wunschzeit: Unter 04:30:00.





Zum Löwenlauf selbst muss man nicht viel sagen. Die Veranstaltung, die seit fast drei Jahrzehnten Laufbegeisterte nach Hachenburg lockt, ist längst über die Grenzen des Westerwalds hinaus bekannt. Hier stimmt einfach alles, die erstklassig organisierte Betreuung der Läufer inklusive after-run-party, die landschaftlich reizvolle Strecke und der feierliche Zieleinlauf auf dem historischen “Alten Markt”. So wundert es auch nicht, dass die Stimmung auf dem Gelände der Rundsporthalle schon vor dem Lauf sehr gut ist.




Die Versorgung ist super. DANKE!
 
Ich bin mit Karen verabredet. Sie ist wie immer vor mir da und hat schon alle Formalitäten erledigt. Wir haben uns am 03. Oktober beim Westerwald-Steig Halbmarathon am Wiesensee kennen gelernt und sofort gut verstanden. Zur Vorbereitung auf den heutigen Marathon konnten wir in den vergangenen Wochen ein paar gemeinsame Trainingsläufe absolvieren.

Wie bereits am "Tag der Deutschen Einheit" sind Nanuk und ich auch heute nicht das einzige Hundeläufer-Team. Ein Läuferpaar aus dem Raum Neuwied ist mit seinem Belgischen Schäferhund angereist und ebenfalls am Start.

Die Wetterbedingungen sind ideal. Das warme, sonnige Herbstwetter lässt das Laufen in kurzer Hose und dünnem Shirt zu. Meine anfänglichen Bedenken, dass Nanuk zu warm werden könnte sind unbegründet. Die Laufstrecke wird uns in langen Abschnitten über schattige Waldwege führen. Zu dem gibt es unterwegs zahlreiche Möglichkeiten um für eine Abkühlung zu sorgen. Neben den unzählige Pfützen die Nanuk mit stetig steigender Begeisterung für einen spontanen Badespass nutzt lasse ich ihn im Dreifelder Weiher eine Runde schwimmen. 

 
I love it!

Vom Start weg laufen wir zunächst ein kleines Stück durch Hachenburg zur L288 der wir in Richtung Alpenrod folgen. Nach ca. 3 km verlassen wir die Straße, biegen in den Wald ab um uns auf etwas „artgerechterem“ Terrain fort zu bewegen. Auf gut ausgebauten Wirtschaftswegen schlängeln wir uns im zick-zack Kurs durch Hachenburgs Stadtwald zwischen Gehlert und Alpenrod.



Ein Stück Straße muss leider sein...


Nachdem wir alle unseren Laufrhythmus gefunden haben und jeder Fuß um Fuß gleichmäßig vor sich hin trottet bahnt sich das erste nette Gespräch mit einem Weggefährten an. „Einen schönen Hund hast Du da Jörg“Woher weiß der wie ich heiße? Klar steht ja groß auf meinem Shirt. Gespannt warte ich ob mein Laufnachbar die nächste Frage stellt. „Warum läufst Du gegen Missbrauch?“Noch vor einem Jahr wäre ich bei dieser Frage zu Stein erstarrt. Niemals hätte ich die Worte: „Weil ich selbst betroffen bin“ über die Lippen bekommen. Heute bin ich froh, wenn jemand den Mut hat mich darauf anzusprechen. Es kostet mich zwar immer noch Einiges an Überwindung mein „Geheimnis“ welches ich mehr als 35 Jahre wie einen Schatz behütet habe preis zu geben aber es fällt mir mit jedem Mal ein wenig leichter.

Über die zum Teil sehr persönlichen Fragen die mir gestellt werden versuche ich so offen wie möglich zu sprechen. Wie sonst sollte es für Außenstehende möglich sein, die Situation und das Leben eines Betroffenen mit all seinen Eigenheiten besser zu verstehen.


Mit meinen Lauf-Aktionen will ich anderen Betroffenen die wie ich Gewalt und Missbrauch erlebt haben in ihrer Situation Mut machen. Nichtbetroffene Menschen will ich dahingehend sensibilisieren selbst kleinste Hinweise auf Gewalt oder sexuellen Missbrauch an Kindern ernst zu nehmen und nicht weg zu schauen.

Nach knapp 9 km erreichen wir den ersten Hochpunkt der Strecke auf 520 m.ü.NN den wir ein zweites Mal bei Kilometer 33 passieren werden. Die gesamte Strecke ist ein schöner Mix aus kleinen Auf´s und Ab´s. Die nächsten 5 Kilometer führen uns durch eine offene Landschaft mit wunderbarem Fernblick.

 










 
Bei Kilometer 16,5 biegen wir in Linden rechts ab in Richtung Dreifelden und Westerwälder Seenplatte. Wir passieren die Golfanlage Dreifelden und können einigen Golfern beim Versuch ihr Handicap zu verbessern zu schauen. Ich laufe dicht hinter einem Marathonläufer mit grauem Haar. Ohne ihm zu nahe treten zu wollen schätze ich sein Alter auf Mitte 60. Einer der Golfer ruft ihm zu: „Hey wie weit lauft ihr denn?“ „Marathon“, die Antwort. „Soooooo weit?“ meint der Golfer. Der Marathonläufer ganz trocken: „Wenn ich mal alt bin, spiele ich auch Golf.“ Grinsend von einem Ohr zum anderen laufe ich weiter.

Ab Dreifelden folgt der für mich schönste Teil der Strecke rund um die 3 großen Weiher Dreifelder Weiher, Haiden Weiher und Hofmanns Weiher. Kilometer 19 bis 27 sind allein schon eine Reise wert. Allerdings herrscht hier zu dieser Jahreszeit das große Abfischen was bedeutet, dass das Wasser aus den Weihern abgelassen wird. Die zurückbleibende Schlicklandschaft erinnert ein wenig an Ebbe und Flut. Zum Glück ist das hier nicht der „Strongman Run“ denn dann würde der Weg nicht außen herum sonder genau mittendurch führen. Ich weiß wovon ich rede…


Heute leider ohne Wasser...

...doch noch einen Rest gefunden

Im Sommer schwimmt hier nicht nur Nanuk.  


Übrigens ist die Strecke rund um den Dreifelder Weiher nahezu ein einziger Singletrail. Ganze 6,3 Kilometer ohne Steigungen, also optimal um mal richtig Gas zu geben. Wir laufen hier öfter zwei bis drei Runden. Wer mit der gesamten Familie kommen will kann während des Laufs nicht nur das Auto sondern auch alle Nichtläufer der Familie (so etwas soll es ja geben) auf dem Waldspielplatz bei Steinen „parken“.

Die Weiherrunde endet bei Kilometer 27. Der weitere Rückweg folgt dann in weiten Teilen der Route des Hinwegs. Spätestens jetzt merke ich meine schweren Beine. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass mir jemand am letzten Versorgungsstand die Schuhe mit Beton ausgegossen hat. Es nutzt ja nichts, wir müssen weiter. Es sind ja auch nur noch ein paar Kilometer bis zum Ziel. Mein frühzeitiger körperlicher Verfall ist wohl dem zu hohen Tempo nach dem Start geschuldet. Das rächt sich jetzt. Ein Problem an dem ich bzw. Nanuk arbeiten muss. Nanuk ist durch die vielen Läufer immer so motiviert, dass ich ihn kaum bremsen kann. Das Tempo lässt zwar nach ein paar Kilometern nach aber dann ist es für mich zu spät. Er ist halt noch ein junger Kerl und voller Tatendrang.


Als meine Stimmung bei Kilometer 35 langsam zum Erliegen kommt höre ich plötzlich von hinten jemanden „Hey Jörg“ rufen. Zu meiner großen Freude kommt mein Freund Andreas hoch motiviert heran gesprintet.

Andreas hat mich u.a. bei meinem Etappenlauf im April großartig unterstützt. Irgendwie ist er immer zur richtigen Zeit da. Wir plaudern ein bisschen und er schafft es mich seelisch und moralisch wieder aufzurichten. Gut gelaunt reißen wir die letzten Kilometer runter und laufen nach 04:42.00 über die Ziellinie auf den Alten Markt. Ein phantastischer Tag! Das nächste Ziel ist schnell ausgemacht, ein schönes, kaltes Hachenburger Weizenbier, alkoholfrei was sonst.


 
...zack und an der Medaille vorbei gelaufen.  

Geschafft...



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