Dienstag, 1. Oktober 2013

Westerwald-Steig-Etappenlauf: Bericht Etappe 2


06. April 2013: Von Horhausen nach Marienthal
 

Mein Wecker klingelt, ich öffne die Augen, horche in mich hinein. Leichter Muskelkater, ansonsten scheint alles in Ordnung zu sein. Nach den 2.000 Höhenmetern von gestern hatte ich Schlimmeres erwartet.

v.l.n.r. Jörg Czubak (Beigeordneter), Bürgermeister Thomas Schmidt, Jörg mit Nanuk, Jens und Martin



Ausgeschlafen fahren Jens, Martin, Nanuk und ich nach Horhausen, dem Starpunkt der zweiten Etappe. Bevor wir den Treffpunkt Lidl Parkplatz ansteuern können, steht ein Pressetermin auf dem Tagesprogramm. Wir treffen uns mit Horhausens Bürgermeister Thomas Schmidt sowie dem Beigeordneten Jörg Czubak auf dem Marktplatz. Mein LebensLauf fand bei den Politikern große Beachtung. Die Gemeindevertreter wollen sich vor Ort über das Projekt und die anstehende Tagesetappe informieren. Zudem haben die beiden eine Überraschung im Gepäck. Die Ortsgemeinde Horhausen wird meinen Lauf gegen Missbrauch mit einer Spende unterstützen. Wenn das kein perfekter Start in den Tag ist! Zum Abschluss ein Foto und wir machen uns auf den Weg.

Am Treffpunkt wartet wir auf Jürgen, einen Freund von Wolfgang B., der uns gestern auf den Malberg führte. Die Begrüßung ist herzlich, Jürgen ist so ein netter Typ, mit dem man sich auf Anhieb gut versteht. Kurzes Warm-up und der Startschuss fällt. Darauf hat Nanuk sehnsüchtig gewartet. Er teilt uns und allen noch schlafenden Horhausenern seine Freude durch lautet Heulen und Bellen mit. Martin, der heute für das Catering zuständig ist, muss sich ziemlich anstrengen, um Carmens belegte Brote mit heißer Gemüsebrühe von gestern zu toppen.



Wir treffen Jürgen
 



Wir verlassen Horhausen in Richtung Döttesfeld auf gut ausgebauten Wegen und genießen die Ruhe an diesem kalten Sonntagmorgen. Nanuk hat sein Rhythmus gefunden und hört auf zu bellen. Nach etwa 3 Kilometern verabschiedet sich Jürgen von uns. Jens, Nanuk und ich laufen in moderatem Tempo gemütlich dem ersten Versorgungspunkt entgegen.



Jens und Jürgen (...ja, sie gehen, nur für´s Foto...)


...die Strecke ist abwechslungsreich





Mittlerweile regnet es und so dauert die Pause nur wenige Minuten. Essen, trinken, Lage checken, sofort sind Nanuk und ich zurück auf dem Trail. Jens pausiert und leistet Martin Gesellschaft. Der nächste Treffpunkt Mehren ist 14 Kilometer entfernt. Das Streckenprofil ist angenehm, die Streckenführung dank der abwechslungsreichen Landschaft nie langweilig. Man kann fast meinen die Strecke sei speziell für uns Trailrunner präpariert worden.













Lange verweilen können wir an den POI nie, viel zu schnell kühle ich aus. Durch die, zum Teil starken Regenschauer bin ich mittlerweile nass bis auf die Haut, das Wasser steht mir in den Schuhen und das Thermometer zeigt lediglich 2 °C an. Jörg: Wer schneller läuft, ist früher da!

In Mehren heißt es: Nix wie raus aus den Klamotten, einen Becher heiße Hühnerbrühe, zum Nachtisch einen mit Zitronentee vom Aldi. Instant versteht sich! Auf langen, kalten Trails hat sich diese Kombination für mich als echte Kraftquelle erwiesen. Frisch aufgehübscht schießen wir ein Foto vor der kleinen Dorfkirche und weiter geht es.



Mehren im Landkreis Altenkirchen

 
Nächster Halt: Weyerbusch. Ich habe mich mit Wolfgang D. verabredet. Ein Bekannter, den ich sehr schätze und nicht warten lassen will. Vor Ort angekommen wartet nicht nur Wolfgang, sondern noch viele andere nette Menschen. Ganz nebenbei hat er einen offiziellen Empfang mit den Vertretern der Ortsgemeinde Weyerbusch organisiert. Meine etwas gedämpfte Stimmung wegen des anhaltenden Regenwetters geht schlagartig in Freude und Motivation über, als ich die Gruppe sehe.


Die Freude ist groß als ich meine ehemaligen Kollegen treffe.


Die Überraschung ist gelungen


Ein schöner Moment, der mich motiviert. Das Foto (unten) zeigt von rechts nach links: Ralf Hassel (Gemeinderatsmitglied), Bürgermeister Manfred Hendricks, Edith D., Max Welle (Gemeinderatsmitglied und 2. Beigeordneter), Marlene W., Inge Walterschen (Gemeinderatsmitglied), Wolfgang D., Jörg mit Nanuk, Martin und Jens. Bürgermeister Hendricks verspricht mir, mein Projekt bei der nächsten Gemeinderatssitzung vorzustellen. Außerdem will er einen Antrag auf Zuweisung einer Spende stellen. 


Das Empfangskommitee vor dem Bus der Initiative.
 

Wolfgang D. begleitet mich noch ein gutes Stück. Vielen Dank!

 
Nach 20 Minuten Aufenthalt ging es zurück auf den Westerwald-Steig. Wolfgang D. begleitet mich noch ein Stück. Das kommende Teilstück dieser Etappe führt über den 388 m hohen „Beulskopf“. Dieser liegt 6 km nördlich von Altenkirchen auf der Wasserscheide zwischen den Flüssen Sieg und Wied. Auf dem Beulskopf steht seit 1990 ein Aussichtsturm, der seinen Namen „Friedrich Wilhelm Raiffeisen“ verdankt.


Die Strecke bis zum Beulskopf macht wieder richtig viel Spaß. Knackige Anstiege, anspruchsvolle, verschlungene Singeltrails über Stock und Stein und durch Rückespuren. Das Laufen wird technisch immer schwierige und anstrengender. Der Regen hat heute ganze Arbeit geleistet. Teilweise steht das Wasser auf dem noch gefrorenen Boden, an anderer Stelle ist der Boden bereist angetaut und hat sich in eine rutschige Matschpiste verwandelt. Ein riskanter Mix. Was soll´s, laufen wir halt langsamer, die letzten 12 Kilometer spulen wir easy ab und Nanuk kommt zu Hause in die Hundewaschmaschine.


An vielen Stellen ist der Boden noch gefroren.





Nanuk in seinem Element.



...ein echter Outdoor-Hund....


Unterhalb des Raiffeisen-Turms


Auch von unten hat man einen tollen Fernblick.


Am Raiffeisen-Turm angekommen halten wir nur kurz und treffen einen freundlichen Wanderreiter, der mit seinem Pferd unterwegs ist. Ich bitte ihn ein Foto von uns zu schießen. Er wundert sich, dass wir beiden an so einem Tag durch die Landschaft laufen. Ich erzähle ihm von meinem Projekt. Nachdem das Foto im „Kasten“ ist, beginnt Nanuk sofort wieder zu bellen. Es ist so als wolle er mich zum Weiterlaufen animieren. Es scheint zu funktionieren, schließlich ist es jetzt nicht mehr weit bis Marienthal. In Gedanken bin ich schon bei Jens und Johannes im Ziel.




Wir treffen auf exotische Tiere.


Zu führ gefreut! Die letzten Kilometer haben es noch richtig in sich. Steigungen satt und als ob das nicht genug ist, entwickelt sich die finalen Meter zum Orientierungslauf. Irgendein Witzbold hat einige Pfähle mit den daran befestigten, wegweisenden Westerwald-Steig-Schildern aus dem Boden gezogen. Super, ganz toll, und jetzt? Ich ziehe sämtliche Pfadfinder-Register, kombiniere und kann mir den Weg nach dem Ausschlussverfahren doch irgendwie zusammenreimen. Die Aktion kostet mich 15 Minuten.




"Alter Schwede.... noch 300 Meter"


Franziskanerkloster Marienthal


Müde und durchgefroren erreichen Nanuk und ich nach rund 7 Stunden unser Etappenziel. Die reine Netto-Laufzeit beträgt 5 Stunden und 24 Minuten für 43,32 Kilometer und knapp 1.000 positive Höhenmeter.


"Ich bin platt....aber zufrieden"


Nanuk, Jörg und Johannes


Obwohl Nanuk während des Laufens keinerlei Anzeichen von Erschöpfung gezeigt hat, schläft er kaum im Auto, nach wenigen Minuten im Sitzen ein. 




Schlaf Hündchen schlaf, der Jörg der....